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<< zurück | Post ID # 42166 | 29.09.2026

# Sellner gründet “Institut für Remigration” – und warum das mehr als eine Randnotiz ist!

Kennt Ihr den Ausdruck “Same same, but different”? Das bezeichnet Dinge oder Ereignisse, die irgendwie schon bekannt sind und sich auch irgendwie ähneln – aber doch eine andere Qualität haben.

Und so ist es auch mit dem “Institut für Remigration“, das (wie wahrscheinlich den meisten inzwischen bekannt ist) kürzlich von Martin Sellner, einer Galleonsfigur der identitären Szene, gegründet wurde. Institute der Rechten sind nichts Neues. Auftritte von Sellner sind nichts Neues. Aber das hier ist keine weitere PR-Aktion, es sind keine Straßen-Schlagworte.

Das ist ein politischer Faktor und die meinen das ERNST!

Es bedarf einer etwas längeren Erklärung, was hier eigentlich passiert, aber bitte nehmt Euch die Zeit dafür:

Die Fakten

Seit dem 31. August 2026 ist beim Amtsgericht Stendal die „Institut für Remigration Martin Sellner (NGO) UG (haftungsbeschränkt)“ unter HRB 38068 eingetragen. Geschäftsführer ist Martin Sellner, eine der wichtigsten Figuren der identitären Bewegung.

Handelsregisterdaten zur „Institut für Remigration Martin Sellner (NGO) UG (haftungsbeschränkt)“ – HRB 38068, Eintragung 31.08.2026, Sitz Magdeburg, Geschäftsanschrift Chemnitz, Geschäftsführer Martin Sellner, Stammkapital 2.000 Euro , siehe https://www.handelsregister.de/ oder direkt https://www.online-handelsregister.de/handelsregisterauszug/st/Stendal/HRB/38068/Institut-fuer-Remigration-Martin-Sellner-NGO-UG-haftungsbeschraenkt

Und das soll eine konkrete Strategien-Schmiede werden:

>> Das Institut will die Debatte über Migration verändern, politische Akteure beraten und konkrete „Remigrations“-Konzepte entwickeln. Besonders auffällig ist die Nähe zum Af*-Landeschef Ulrich Siegmund: Beide trafen sich bereits beim Potsdamer Treffen 2023, Sellner legte 2026 ein eigenes „Landesremigrations“-Programm für Sachsen-Anhalt vor. Eine organisatorische Verbindung zur Af* ist damit allerdings nicht belegt. <<

Quelle: https://meetingpoint-magdeburg.de/artikel/17641-remigrations-institut-mit-sitz-in-magdeburg-und-auf-dem-weg-in-die-landespolitik

Hier wird versucht, aus einem ideologischen Schlagwort (Remigration) konkrete Verwaltungspolitik, Behördenstrukturen, Gesetzesvorschläge und Regierungsprogramme zu entwickeln. Das ist kein “Geschwätz” mehr. Das sind reale (!) Pläne für Verwaltungshandeln, Behörden, Gesetze und Regierungsabläufe.

So geht es bspw. darum, was eine neue Landesregierung in Sachsen-Anhalt migrationspolitisch umsetzen könnte: Ein „Landesamt für Remigration“ aufzubauen, Duldungen systematisch zu überprüfen, Passbeschaffung und Identitätsklärung zu intensivieren, Rückführungen auszuweiten, zentrale Ausreiseeinrichtungen aufzubauen, Sozialleistungen umzustrukturieren, einen Rückkehrfonds einzurichten, die staatliche Förderpolitik zu überprüfen, Einbürgerungen zu kontrollieren und ein sogenanntes „Quartiersstabilisierungsgesetz“ (schönes Wort für “Ausländer raus”, “Ghettos schaffen”, “Deutsche unter Deutschen lassen”) vorzubereiten. Dazu kommen ausdrücklich ein 100-Tage-Programm, ein Jahresprogramm und eine Bundesratsagenda.

Kann nicht wahr sein? Bitte:
https://politfacts.de/investigativ/landesremigration-sachsen-anhalt-sellner-Af*

Und das betrifft …

Stufe 1 Asylsuchende, Geduldete und Ausreisepflichtige
Stufe 2 Ausländer, die legal hier leben
Stufe 3 Deutsche mit Migrationshintergrund

… und dann irgendwann alle, deren “Nase” nicht in die identitäre, autoritäre Weltsicht passt.

Siehe u.a. https://www.mimikama.org/sellner-papier-landesremigration-sachsen-anhalt/

Aber nicht nur Mimikama, auch “Gegen die Alternative für Deutschland” hat auf Facebook eine umfangreiche Recherche dazu veröffentlicht: https://www.facebook.com/share/p/1Ev9FTL31T/?mibextid=wwXIfr

Bearbeitete Auszüge daraus:

Die Verbindung nach Sachsen-Anhalt ist besonders relevant

Die Af* Sachsen-Anhalt benutzt den Begriff „Remigration“ selbst seit Jahren offensiv. Bereits im Januar 2024 beantragte die Af*-Fraktion im Landtag eine Aktuelle Debatte mit dem schlichten Titel „Remigration!“. Ulrich Siegmund erklärte dort, „Remigration“ sei aus Sicht seiner Partei das Gebot der Stunde.

Dass Sellners Institut also ausgerechnet Sachsen-Anhalt als erstes ausführliches Landesmodell auswählt, ist deshalb politisch bemerkenswert.

Das beweist allerdings nicht, dass die Af* das Papier bestellt, finanziert oder mit Sellner gemeinsam ausgearbeitet hat. Für eine solche direkte organisatorische Zusammenarbeit gibt es bislang keinen öffentlich belastbaren Beleg. Was sich dagegen belegen lässt, ist eine deutliche inhaltliche Überschneidung: Die außerparlamentarische identitäre Rechte entwickelt Konzepte unter dem Begriff „Remigration“, während derselbe Begriff von der Af* Sachsen-Anhalt längst in die parlamentarische Auseinandersetzung übernommen wurde.

Auch die ideologische Dimension ist juristisch nicht nebensächlich. Der Begriff „ethnokulturelle Identität“ ist in Deutschland bereits Gegenstand gerichtlicher Entscheidungen gewesen. Im Zusammenhang mit Organisationen der Neuen Rechten haben Gerichte darauf hingewiesen, dass ein Volksbegriff problematisch wird, wenn politische oder gesellschaftliche Zugehörigkeit letztlich von Abstammung oder ethnischer Herkunft abhängig gemacht wird.

Das Verwaltungsgericht Magdeburg bestätigte beispielsweise die Einstufung des früheren „Instituts für Staatspolitik“ wegen verfassungsfeindlicher Bestrebungen. Im Mittelpunkt stand dabei unter anderem die Vorstellung eines ethnisch beziehungsweise abstammungsmäßig definierten Volkes.

Das bedeutet nicht, dass Sellners neu gegründetes Institut automatisch rechtlich genauso bewertet ist. Eine entsprechende gerichtliche Entscheidung über das neue „Institut für Remigration“ ist bislang nicht bekannt. Aber die sprachliche Nähe ist offensichtlich: „ethnokulturelle Kontinuität“, „Bevölkerungsaustausch“ und „Remigration“ gehören zumKern der eigenen Selbstdarstellung.

Deshalb sollte man die Gründung dieses Instituts auch nicht lediglich als weitere rechte PR-Aktion abtun.

Hier entsteht der Versuch, eine politische Idee in eine professionelle Infrastruktur zu überführen

  • Aus Ideologie werden Studien.
  • Aus Schlagworten werden Policy Papers.
  • Aus Forderungen werden Behördenmodelle.
  • Aus „Remigration“ wird ein 100-Tage-Programm.
  • Und aus einem Netzwerk der Identitären Bewegung entsteht eine Organisation, die nach eigener Aussage politische Entscheidungsträger, Forscher und Journalisten vernetzen und konkrete Handlungsvorschläge entwickeln will.

Genau darin liegt die politische Bedeutung des Vorgangs.

Die Tatsache, dass ausgerechnet Martin Sellner hier der Gründer ist, ist fast nebensächlich. Entscheidend ist, dass ein Milieu, das jahrelang vor allem durch Demonstrationen, Kampagnen, Bücher und soziale Medien auffiel, versucht, seine Vorstellungen immer stärker in konkrete Politik- und Verwaltungsmodelle zu übersetzen.

Und Sachsen-Anhalt dient dabei ausdrücklich als MODELLFALL für weiteres.

Leider im Osten nichts Neues …

Die Edisonstraße 2 in Chemnitz, der Sitz des Instituts, war oder ist Standort von mehreren Organisationen aus diesem Umfeld: Zentrum Chemnitz, GegenUni, Okzident-Media, Kohorte und Schanze Eins. Und jetzt eben auch das “Institut für Remigration”. Die Verbindungen zur Af* sind dokumentiert. Es gab Besuche, man kennt sich.

Karlheinz Skorwider schreibt dazu ganz richtig: >> Gerade diejenigen, die ständig vom “Sumpf der Altparteien”, von Filz und politischen Netzwerken reden, sollten sich diese Adresse vielleicht einmal etwas genauer ansehen. << (Quelle K. Skorwider auf Facebook https://www.facebook.com/share/p/1EgXqb68NV/?mibextid=wwXIfr)

Follow the money

Die Geldflüsse sind interessant. So wird für das Institut auf Spendenplattformen geworben, die sich entweder nicht um die Inhalte der Spendenaktionen kümmern oder selbst “rechtslastig” sind. Außerdem befinden sich die Plattformen im Ausland, sind also schwerer zugänglich und unterliegen anderen Gesetzmäßigkeiten.

Schon bei früheren Gründungen und Immobiliengeschäften der Identitären hat es derbe politische Verstrickungen gegeben, bspw. Überweisungen von einem ehemaligen CDU Mitglied an die Identitären, siehe:
T-Online –https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_100340784/identitaere-bewegung-ex-cdu-mann-kurth-steckte-240000-euro-in-rechtsextreme.html
Spiegel (Paywall) – https://www.spiegel.de/panorama/berlins-ehemaliger-cdu-finanzsenator-peter-kurth-ueberwies-100-000-euro-an-mutmassliche-terroristen-a-161debda-114f-4064-a088-da706ee542e6
Zeit – https://www.zeit.de/politik/deutschland/2024-01/peter-kurth-ex-cdu-politiker-spenden-identitaere-bewegung

Was tun?

Informieren. Aufmerksam machen. Hinschauen. Alle, die sich demokratische Politiker:innen nennen, in die Pflicht nehmen, sich endlich deutlich und laut gegen diese Unterwanderung unserer freiheitlichen Grundordnung einzusetzen. 

Und “informieren” ist dabei wirklich wichtig. Viele nehmen solche Entwicklungen schulterzuckend hin. Dann bliebe das Institut eine “Randnotiz” – und sobald der aktuelle Medienwirbel sich gelegt hat, kann es zynisch grinsend seine menschenverachtende Arbeit machen.

Das dürfen wir nicht zulassen!

Sandra

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Weitere Quellen:

Ausgangsmeldung Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt:
https://www.fluechtlingsrat-lsa.de/2026/09/rassistisch-voelkisches-institut-mit-neuem-sitz-in-magdeburg-geplant/

Policy Paper des „Institute for Remigration“ zu Sachsen-Anhalt – Primärquelle des Instituts; Titel „Umkehr des Bevölkerungsaustauschs“, Maßnahmenkatalog, 100-Tage-Programm und Selbstdarstellung:
https://remigration-institute.com/de/policy-paper-sachsen-anhalt

Sächsischer Verfassungsschutz zur Identitären Bewegung und zum „Zentrum Chemnitz“ – „ethnokulturelle Identität“, „Großer Austausch“, Remigration, Vernetzung und Sellners Auftritte:
https://www.verfassungsschutz.sachsen.de/identitaere-bewegung-deutschland-regionalgruppe-sachsen-4177.html

Verfassungsschutzbericht Sachsen 2025 – weitere Aktivitäten Sellners und derIdentitären Bewegung in Chemnitz:
https://www.verfassungsschutz.sachsen.de/download/Saechsischer_Verfassungsschutzbericht_2025.pdf

Landtag Sachsen-Anhalt: Af*-Debatte „Remigration!“ vom Januar 2024 –Primärquelle zum parlamentarischen Gebrauch des Begriffs durch Ulrich Siegmund und die Af*-Fraktion:
https://www.landtag.sachsen-anhalt.de/ad-Af*-migration
https://www.landtag.sachsen-anhalt.de/27-sitzungsperiode?cHash=9ad27feb3ebf51c21a7f015fcb38a6d0&transcriptSessions=lsaSessionsAjax&tx_lsasessions_transcript%5Bspeaker%5D=13709

Weiterführende Recherche zum Netzwerk, Handelsregister und zur Struktur des Instituts:
https://politfacts.de/realitaetscheck/landesremigration-sachsen-anhalt-sellner-Af*

 

Blättern im Blog (siehe auch Blog-Hilfe)
 

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