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<< zurück | Post ID # 42194 | 02.10.2026

# Tag der Deutschen Einheit

Wir feiern am 3.10. die Wiedervereinigung. Ja, wir feiern.

Wer sich nochmal die Geschichte anschauen möchte, findet beim NDR eine tolle Themenseite:

https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/wende

Ich wurde gebeten, eine Rede dazu zu schreiben, bitteschön:

Tag der Deutschen Einheit. Deutsche Wieder-Vereinigung.

Da waren mal schlimme Grenzen. Mit Militär, mit Zäunen, mit Mauern. mit scharfen Hunden und Schießbefehlen. Da waren verzweifelte Menschen und Fluchtversuche mit Mitteln, die uns heute nur noch staunen lassen.

Und dann – nach langen und nicht einfachen Protesten – war die Mauer plötzlich offen. Einige werden sich noch an Freudentränen, unbändiges Feiern und den Geruch der Trabbis erinnern. Andere erinnern sich an gesellschaftlichen Umbruch und finanzielle, aber auch ideelle Verluste.

Ja, es ist kein einfaches Thema, denn die einen sagen “Was für eine wunderbare Erinnerung!” und böse andere Stimmen murmeln: “Die Mauer muss wieder hoch.”

Sicherlich, es hätte damals alles fairer sein können. Wie heisst es so schön? “Hinterher ist man immer schlauer”. Es hätte das Beste aus beiden Welten zusammengefügt werden sollen, statt das eine Staatssystem dem anderen “überzustülpen”. Auch miese Geschäftemacherei wäre zu verhindern gewesen. Und es gibt einiges mehr, was nicht gut gelaufen ist.

Aber “unterm Strich”:

Es ist immer noch ein guter Grund zum Feiern, dass Grenzen gefallen sind und Familien nach Jahrzehnten der Trennung wieder zusammengefunden haben.

Es ist immer noch ein guter Grund zum Feiern, dass wir jetzt ohne Einschränkungen in allen Bundesländern unterwegs sein können.

Es ist immer noch ein guter Grund zum Feiern, dass Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nicht mehr aussehen wie “Dresden ’45”.

Es ist immer noch ein guter Grund zum Feiern, dass eine weitere Diktatur (und JA, der SED-Staat war eine!) überwunden wurde.

Und WEIL es ein guter Grund zum Feiern ist, und WEIL die Erinnerung an die Geschichte wichtig ist. möchten wir die Af* Wählerschaft, die gerade so lauthals nach “Abgrenzung” und “Remigration” ruft, an etwas erinnern:

Vor der Wiedervereinigung standen Menschen aus dem eigenen Land an Grenzen und Botschaftszäunen. Und heute soll dasselbe Recht auf Freiheit anderen Menschen verwehrt werden?

“Ausländer raus”? “Deutschland den Deutschen”? Denkt nochmal nach. Klingt egoistisch und ist es auch. Nichts anderes.

Aber auch, wenn sich aktuell “die Rechten” in den Ost-Bundesländern besonders hervortun: Das ist ausdrücklich KEIN “Ost-Phänomen”. Aus ALLEN Bundesländern, und dort vor allem aus dem ländlichen Raum, kann von denselben Szenen berichtet werden.

So sind wir (nur als kleines Beispiel) mit unserer (“westdeutschen”) Ortsgruppe am 3.10. am Hermannsdenkmal in Detmold, wo sich die tiefbraunste Nazi-Szene zum “Deutschen Spaziergang” treffen will.

Und an vielen anderen Orten geht es ähnlich zu. Nicht “nur im Osten”.

Liebe “rechtslastige” Mitmenschen, wenn Ihr schon “Deutschland den Deutschen” rufen wollt oder “müsst”, dann denkt nochmal nach – denn das umfasst auch alle Menschen, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind. Schon immer! Also lasst den Quatsch besser weg.

Und wenn Ihr unbedingt die deutsche Fahne schwenken wollt, dann denkt daran, dass sie NICHT für irgendwelchen biodeutschen Unsinn steht.

Wenn Ihr schon so “nationalstolz” sein wollt, dann bitte auch richtig, denn:

Schwarz-Rot-Gold stand schon immer für DEMOKRATIE! Schon in den 1830ern wurde die Fahne zum Symbol für Pressefreiheit, Bürgerrechte, nationale Einheit und ein friedliches Europa. 1848 wurden sie dann von der Frankfurter Nationalversammlung zu den deutschen Nationalfarben erklärt – als Symbol einer freiheitlichen Verfassung.

DAFÜR stehen unsere Nationalfarben, nicht für irgendwelche rechtsextremen Forderungen.

Wenn Ihr also so uneingeschränkt “deutsch” sein wollt, wenn Ihr so sehr auf die deutsche Geschichte versessen seid, dann bitte auch korrekt.

Diese “biodeutschen” Forderungen, die am Tag der Deutschen Einheit so gern so laut werden, haben leider wenig mit echter Gemeinschaft, sondern viel, viel mehr mit Neid zu tun:

Warum bekommt DER was, das ICH nicht habe? WIR haben nix, und DIE anderen alles.

Dieses Neidgefühl gibt es auch immer noch zwischen Ost- und West-Bundesländern und wird natürlich gern auch weiter von Rechtsaußen befeuert, damit wir bloß keine Ruhe bekommen. 

Aber: Strassen sind hier wie dort gut und schlecht. Sanierungsrückstand gibt es überall. Schlechte Infrastruktur und fehlende Ärzte auch.

Das sind echte Aufgaben, die uns ALLE etwas angehen, in ALLEN Bundesländern. Aber es sind eben AUFGABEN, an denen gearbeitet werden muss, und KEIN Grund, rechtsextrem zu werden oder Af* zu wählen oder am Tag der Deutschen Einheit miesgelaunte Aufmärsche mit lautstarken “biodeutschen” Parolen zu veranstalten. Denn das ändert an den Problemen … richtig: Nichts.

Statt Parolen und Fahnen zu schwenken, lasst uns besser an allen Aufgaben und Herausforderungen gemeinsam und vor allem demokratisch arbeiten.

Und lasst uns auch einfach feiern, dass wir EIN Land sind. Ein gutes Land. Selbst wenn uns die rechte Agenda einreden will, dass hier alles “brennt”. Uns geht es doch definitiv besser als vielen, vielen Menschen auf der Welt, wir haben immer noch einen hohen Lebensstandard und vor allem auch wunderschöne Orte und Landschaften – egal in welcher Himmelsrichtung. Darum müssen wir uns kümmern. Es geht um unsere vielfältige, gemeinsame Zukunft, um die Zukunft unserer Freunde, Familien und Kinder – nicht um irgendwelche Parolen.

Ja, es gibt Probleme. Wie in jedem Land, jeder Gesellschaft, jeder Familie. Demokratie ist nicht einfach. Sie bedeutet Diskussionen und Kompromisse. Nicht schwarz-weiss, sondern bunt. Mit allen, die daran zu ganz einfachen Bedingungen teilnehmen: Unserem Grundgesetz und unserer freiheitlich-deutschen Grundordnung.

Und dass wir das so können und dürfen, DAS feiern wir.

Sandra

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