# GEAS (Gemeinsames Europäisches Asylsystem) seit dem 12.6.26 in Kraft
Seit dem 12. Juni 2026 ist die Welt ein bisschen dunkler geworden:
Die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) trat am 12. Juni 2026 in Kraft. Sie ist die größte Reform des europäischen Asylrechts seit Jahrzehnten und zielt darauf ab, Migration zu begrenzen, Verfahren zu beschleunigen und die Verteilung in der EU verbindlicher zu regeln.
In der Umsetzung drohen Entrechtung, Inhaftierung (sogar von Kindern) und versperrte Wege zum Recht auf Asyl. Es ist “Wasser auf rechtspopulistiche Mühlen”. Jahrelang haben wir uns vergeblich dagegen positioniert, denn es bedeutet gewaltige Einschnitte in der Flüchtlings- und Asylpolitik.
Dafür wurden komplizierte Regeln erschaffen, die wie aus einem Roman von Kafka wirken. So gibt es bspw. für geflüchtete Menschen jetzt den Status der “Nicht-Einreise” … und wer nicht eingereist ist, hat eben auch keine Rechte. Mehr im Folgenden.
GEAS umfasst u.a. …
1. Obligatorisches Screening an den Außengrenzen
Bevor ein Asylantrag überhaupt gestellt wird, durchlaufen alle “irregulär eingereisten” Personen ein verpflichtendes Screening. Innerhalb von maximal sieben Tagen werden dabei Gesundheits- und Sicherheitskontrollen durchgeführt sowie biometrische Daten für die EURODAC-Datenbank erfasst.
https://www.bamf.de/DE/Themen/AsylFluechtlingsschutz/EuropaeischerKontext/GEAS/geas-node.html
2. Einheitliche Asylgrenzverfahren
Um “unkontrollierte Weiterreisen” (Sekundärmigration) zu unterbinden, finden beschleunigte Asylverfahren direkt an den EU-Außengrenzen statt. In diesen beschleunigten Verfahren (maximal 12 Wochen) soll über den Antrag entschieden werden. Im Falle einer Ablehnung erfolgt von dort aus direkt die Rückführung.
https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/522800/reform-des-gemeinsamen-europaeischen-asylsystems/
3. Neuer “Solidaritätsmechanismus”
Das bisherige Dublin-System, nach dem das Ersteinreiseland für den Asylantrag zuständig ist, bleibt im Grundsatz bestehen, wird aber durch einen “Solidaritätsmechanismus” ergänzt. EU-Staaten unter “besonderem Migrationsdruck” sollen entlastet werden, bspw. durch Umverteilung von Geflüchteten in andere EU-Länder (Relocation), finanziellen Ausgleich oder personelle/technische Unterstützung.
https://www.bmi.bund.de/DE/themen/migration/gemeinsame-europaeische-asylsystem/gemeinsame-europaeische-asylsystem-node.html
4. Einheitliche Standards
Rechte und Pflichten für Asylbewerber werden EU-weit stärker vereinheitlicht. Verfahrensvorschriften, wie z.B. die Vorgaben zu Tonaufzeichnungen von Anhörungen, unentgeltlicher Rechtsauskunft und zur Altersbestimmung bei unbegleiteten Minderjährigen, sollen künftig in allen Mitgliedsstaaten nach gleichen Standards ablaufen.
https://www.bamf.de/DE/Themen/AsylFluechtlingsschutz/EuropaeischerKontext/GEAS/geas-node.html
Weitere Informationen und kritische Auseinandersetzungen mit GEAS siehe
- https://www.asyl.net/view/uebersicht-zur-geas-reform
- https://www.proasyl.de/pressemitteilung/pro-asyl-zum-geas-start-kampf-fuer-die-rechte-der-gefluechteten-geht-weiter/
- https://www.proasyl.de/news/faq-zur-europaeischen-asylreform-geas-antworten-auf-die-wichtigsten-fragen/
- https://www.bamf.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/260612-geas-reform.html
- Deutschlandfunk auf YouTube: Kann GEAS funktionieren?
PRO Asyl: “Willkommen in der EU der Nicht-Einreise”
Was wirklich dahintersteht, wird von PRO Asyl in einer aktuellen Kampagne perfekt zusammengefasst. Sie sagen: “Die Reform des »Gemeinsamen Europäischen Asylsystems« (GEAS) ist die größte Asylrechtsverschärfung seit Jahrzehnten. Für in die EU fliehende Menschen wird es damit nochmals bedeutend schwerer, Schutz zu bekommen.”
Eine der neuen Regelungen bestimmt bspw., dass ankommenden Geflüchtete der Status der “Nicht-Einreise” gegeben werden kann. Ein irrsinnige juristische Konstruktion, die bedeutet, dass einem Menschen quasi sämtliche Rechte abgesprochen werden. Hier der PRO Asyl Flyer dazu, der zwar satirisch gehalten ist, dessen Aussagen aber leider wahr sind (der Flyer ist auch hier kostenlos bestellbar)
Einschnitte in das Asylrecht
Das Bundesinnenministerium “beschönigt” die GEAS Reform so: “Das GEAS-Reformpaket dient dazu, Migration in der EU insgesamt verlässlich zu begrenzen und zu ordnen, die Verfahren in allen EU-Mitgliedsstaaten zu vereinheitlichen, und die illegale Migration dauerhaft zu begrenzen.”
Dabei wird von “begrenzen, ordnen, vereinheitlichen” gesprochen – aber nicht von Fluchtursachen und einem der wichtigsten Grundrechte: Asyl. Dieses Grundrecht wird immer weiter “ausgehebelt”, einen sehr guten Artikel darüber gibt es beim Verfassungsblog:
Was bewirkt GEAS?
Die tatsächlichen Bestimmungen ermöglichen Entrechtung von Menschen und spielen den negativen populistischen Aussagen zu Migrationsfragen in die Hände.
Eine Auseinandersetzung mit den Fluchtursachen, eine Verbesserung der Integration … alles, was uns auch in allen europäischen Staaten zu GUTE kommt durch Zuwanderung … das wird alles außßer Acht gelassen.
Fluchtursachen
Mit GEAS wird an den Symptomen “herumgedoktort” – stattdessen wäre es eine wesentlich wichtigere Aufgabe für uns ALLE, sich mit den Fluchtursachen und deren Bekämpfung auseinanderzusetzen. Wir handeln immer noch so, als wenn es “Festungen” und “sichere Inseln” gäbe – dabei leben wir alle auf demselben Planeten.
Niemand flieht frewillig
Fluchtursachen sind das Ergebnis komplexer, oft miteinander verwobener Krisen.
Zu den Hauptgründen zählen Krieg, bewaffnete Konflikte, schwere Menschenrechtsverletzungen, wirtschaftliche Perspektivlosigkeit, politisch motivierte Verfolgung sowie die Zerstörung der Lebensgrundlagen durch den Klimawandel.
Und Letzeres wird immer wichtiger, denn hier beginnt ein Kreislauf:
Wenn Nahrungsmittel und Wasser knapp sind, Ernten vernichtet und ganze Gebiete unbewohnbar werden, dann schürt das wiederum Konflikte. Und wo pures Überleben, Konflikte und Gewalt im Vordergrund stehen, geraten gesellschaftliche Konzepte, Klimaschutz und bessere Ressourcenverteilung in den Hintergrund … eine irrsinnige Spirale.
Eine der besten Übersichten zu Fluchtursachen findet sich hier:
Außerdem:
- https://www.welthungerhilfe.de/informieren/themen/flucht-und-migration/fluchtursachen
- https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/hilfe-weltweit/themen/fluchtursachen
- https://www.bmz.de/de/themen/flucht
- https://www.fes.de/news/erst-klimavertrieben-dann-rechtlos-1
- https://www.medico.de/warum-menschen-fliehen-16487
Die Beschäftigung mit den Fluchtursachen sollte also Vorrang haben – denn darin liegen Lösungen und Möglichkeiten für uns ALLE.
Postive Effekte der Zuwanderung
Was auch immer wieder gern vernachlässigt wird:
Zuwanderung ist ein wesentlicher Motor für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. Sie wirkt dem demografischen Wandel entgegen, schließt akute Fachkräftelücken und stärkt die Innovationskraft von Unternehmen.
Zudem bereichern neue Perspektiven das kulturelle Leben und fördern den internationalen Handel.
Das alles sind keine “blümeranten Gutmenschen-Gedanken”, wie es uns gern unterstellt wird, sondern sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Fakten.
So schreiben es seit langem schon verschiedene Institutionen, von Wirtschaftsweisen bis zu Statistik-Forschenden:
- https://www.iwkoeln.de/studien/wido-geis-thoene-12-gute-gruende-fuer-zuwanderung.html
- https://www.diw.de/de/diw_01.c.905086.de/nachrichten/darum_ist_zuwanderung_die_grundlage_fuer_unseren_wohlstand.html
- https://www.iwd.de/artikel/deutschland-waechst-dank-zuwanderer-596025/?gad_source=1&gad_campaignid=2067502706
- https://mediendienst-integration.de/news/migration-entlastet-den-sozialstaat/
Sogar das Bundesinnenministerium widerspricht sich hier selbst, denn während sie (siehe oben) die strikten Regeln des neuen GEAS “schönreden” sprechen sie an anderer Setelle selbst davon, wie wir alle von Zuwanderung profitieren, Zitat:
>> Von einer möglichst schnellen und nachhaltigen Integration profitieren nicht nur die Menschen, die zu uns kommen, sondern wir alle. <<
“… aber die Kriminalität …?”
Die vor allem von Rechtspopulisten immer wieder angeführte Behauptung, dass die Kriminalität durch die Zuwanderung steigen würden, ist längst überholt und widerlegt.
Seit 2023 liegen die Zahlen der Straftaten bzw. Straftatverdächtigen noch immer unter denen, die Mitte der 2010er Jahre oder auch Mitte der 2000er Jahre erfasst wurden.
Der Zusammenhang zwischen Zuwanderung und Kriminalität lässt sich auch nicht auf einfache Ursache-Wirkungs-Ketten reduzieren. Alle wissenschaftliche Analysen und Kriminalstatistiken betonen, dass Straftaten weit weniger von der Herkunft oder dem Pass abhängen, sondern vielmehr von soziodemografischen und sozioökonomischen Faktoren.
Deutlich gesagt: Kriminalität wird NICHT durch Zuwanderung oder die Herkunft eines Menschen beeinflusst. Das ist pures rassistisches Denken. Die Art, wie wir mit Menschen umgehen, welche Chancen wir mit unserem System ermöglichen (oder eben nicht), DAS beeinflusst die Kriminalität.
- >> Die Zahl der Ausländer stieg seit 2005 um mehr als 70 Prozent, die Kriminalitätsrate ging im gleichen Zeitraum um rund 14 Prozent zurück. <<
https://mediendienst-integration.de/kriminalitaet/auslaenderkriminalitaet/fuehrt-migration-zu-mehr-kriminalitaet/ - >> Die Ergebnisse decken sich mit Befunden der internationalen Forschung: (Flucht-) Migration hat keinen systematischen Einfluss auf die Kriminalität im Aufnahmeland. <<
https://www.ifo.de/publikationen/2025/aufsatz-zeitschrift/steigert-migration-die-kriminalitaet-ein-datenbasierter-blick - >> Von Migrantinnen und Migranten verübte Straftaten erfahren viel öffentliche Aufmerksamkeit. Eine einfache Formel für Zusammenhänge zwischen Migration und Kriminalität gibt es nicht, da die Zuwanderungsprozesse und Kriminalitätsphänomene höchst vielfältig sind. <<
https://www.bpb.de/themen/innere-sicherheit/dossier-innere-sicherheit/301624/migration-und-kriminalitaet/ - >> Ein steigender Anteil an Zugewanderten steht in keinem Zusammenhang mit der Kriminalitätsrate an einem Ort.<<
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/kriminalitaet-migration-100.html
Weitere Statistiken siehe
Und nun?
Rechtspopulisten bejubeln das GEAS. Die ganz Radikalen reden von “einem ersten Schritt in die richtige Richtung” – und in ihren Augen wären dann der nächste Schritt natürlich eine europäische “ICE”-Truppe, um noch weiteren Druck und Abschreckung aufzubauen.
Aber Menschen fliehen nicht, weil es ihnen Spaß macht, sondern weil es knallharte Umstände gibt, die sie zur Flucht bewegen. Und solange nwir nicht alle gemeinsam an diesen Fluchtursachen arbeiten, wird sich gar nichts ändern. Brutale “Gegenmaßnahmen” und “Regelungen” wie das GEAS werden nur zu noch mehr Gewalt, Frust und Problemen führen – für uns alle.
Wir sollten es besser machen, d.h.
- das Recht auf Asyl aufrecht erhalten
- sich nicht den rassistischen “Hier ist kein Platz mehr” Parolen anschliessen
- immer dafür eintreten, dass wir alle gemeinsam von unseren vielfältigen Fähigkeiten profitieren
- die Diskussion von “Abschottung” und “Re-Migration” wieder zurückholen
- das Umdenken fördern, d.h. uns auf das konzentrieren, was uns ALLE wirklich weiter bringt:
- Analyse und Bekämpfung von Fluchtursachen
- positive Effekte, ja sogar die NOTWENDIGKEIT der Zuwanderung (die REAL sind !!) deutlicher betonen
- Integration fördern und dem Abbau von Integrationsmaßnahmen wiedersprechen
Alles andere sind nur Moment-Lösungen oder eine “Kopf in den Sand” Politik, die niemanden weiterbringt.
Sandra
OMAS GEGEN RECHTS Bundesweit
kontakt@ogrbund.de







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