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Wendlingen: Lesung mit Jakob Springfeld – Warum das Erstarken der Rechten eine Bedrohung für uns alle ist

Mi., 26.08.26, 19:00

Lesungen mit Jakob Springfeld

Warum das Erstarken der Rechten eine Bedrohung für uns alle ist

Auf Einladung der OMAS GEGEN RECHTS Wendlingen-Köngen und Esslingen ist Jakob Springfeld am Mittwoch, 26. August 2026, 19:00 Uhr im Johannesforum, Wendlingen und am Donnerstag, 27. August 2026, 19:30 Uhr in der Versöhnungskirche Esslingen zu hören

„Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“ – so lautet der provokante Titel einer Lesungs- und Diskussionsveranstaltung mit dem jungen Autor und Aktivisten Jakob Springfeld. Doch wer glaubt, dass die darin beschriebenen Entwicklungen ausschließlich den Osten Deutschlands betreffen, irrt. Springfeld macht deutlich: Die Herausforderungen für Demokratie, Menschenrechte und gesellschaftlichen Zusammenhalt sind längst gesamtdeutsche Realität.

In seinen Büchern schildert der aus Zwickau stammende Autor eindrücklich, wie es ist, in einer Region aufzuwachsen, in der rechtsextreme Einstellungen, rassistische Übergriffe und Einschüchterungen für viele Menschen zum Alltag gehören. Dabei erzählt er nicht aus der Perspektive eines Beobachters, sondern aus eigener Erfahrung. Schon als Jugendlicher engagierte sich Springfeld gegen Rechtsextremismus und für eine offene Gesellschaft. Dieses Engagement brachte ihm Anerkennung, aber auch Anfeindungen und Bedrohungen ein.

Seine zentrale Botschaft lautet: Rechtsextremismus ist kein ostdeutsches Problem. Zwar wird in der öffentlichen Debatte häufig auf Bundesländer wie Sachsen oder Thüringen verwiesen, doch demokratiefeindliche und menschenverachtende Positionen finden sich inzwischen in allen Teilen Deutschlands. Der Fokus auf den Osten verstelle oft den Blick auf Entwicklungen, die längst auch im Westen sichtbar seien.

Dies zeigt sich nach Ansicht vieler Demokratinnen und Demokraten auch in Baden-Württemberg. Die AfD konnte in den vergangenen Jahren ihre Strukturen weiter ausbauen und ist in zahlreichen Kommunen und Parlamenten vertreten. Im Juni fand in Heidenheim ein Landesparteitag der AfD Baden-Württemberg statt. Gleichzeitig entstehen neue Organisationsformen im rechten politischen Spektrum. So gründete sich am 14. Juni in der Stadthalle Donzdorf im Kreis Göppingen die „Generation Baden-Württemberg“, die als Nachfolgeorganisation der „Jungen Alternative“ auftritt, nachdem sich diese 2025 aufgelöst hatte.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, wie demokratische Kräfte auf diese Entwicklungen reagieren können. Springfeld fordert eine klare gesellschaftliche Haltung gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Demokratie sei keine Selbstverständlichkeit, sondern müsse jeden Tag neu verteidigt werden.

Springfeld berichtet von Angriffen auf Geflüchtete, von Einschüchterungen gegen politische Gegnerinnen und Gegner sowie von den Erfahrungen junger Menschen, die sich in ihrem Umfeld für Vielfalt und Menschenrechte einsetzen. Dabei beschreibt er die Spannungen zwischen Angst und Mut, Ohnmacht und Widerstand.

Besonders kritisch setzt sich Springfeld mit gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen auseinander. Er vertritt die Auffassung, dass Behörden, Justiz und Sicherheitsorgane nicht immer konsequent genug gegen rechtsextreme Netzwerke und Einstellungen vorgehen. Dort, wo Institutionen ihrer Verantwortung nicht ausreichend nachkämen, entstünden Räume, in denen demokratiefeindliche Kräfte an Einfluss gewinnen könnten. Seine Kritik versteht er als Aufforderung, demokratische Institutionen zu stärken und ihre Schutzfunktion für alle Menschen ernst zu nehmen.

Trotz der Schwere der Themen zeichnet Springfeld kein Bild der Hoffnungslosigkeit. Vielmehr berichtet er von zahlreichen Menschen, die sich in Vereinen, Initiativen, Kirchengemeinden, Schulen und Nachbarschaften für Demokratie engagieren. Sie zeigen, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt möglich ist und dass Hass und Ausgrenzung nicht unwidersprochen bleiben müssen.

Die Lesungen bieten daher weit mehr als eine Buchvorstellung. Sie sind eine Einladung zum Nachdenken und zum Austausch über die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen und welche Verantwortung jede und jeder Einzelne für den Erhalt demokratischer Werte trägt.

Wer Jakob Springfeld erlebt, begegnet einem Autor, der seine Erfahrungen offen, persönlich und ohne Beschönigungen schildert. Freundlich im Ton, klar in der Analyse und eindringlich in seinen Appellen macht er deutlich: Der Kampf für Demokratie, Menschenrechte und eine offene Gesellschaft ist keine Aufgabe einzelner Regionen, sondern eine Herausforderung für ganz Deutschland. Gerade deshalb lohnt es sich, zuzuhören, mitzudiskutieren und Position zu beziehen.

OMAS GEGEN RECHTS Esslingen am Neckar
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