omapodcast #11: OMAS und Feminismus
Eine neue Folges unseres > omapodcast.de (Nummer 11) ist online – hier klicken zum Hören
und hier die Textfassung zum Nachlesen:
OMAS und Feminismus
Eine Klarstellung und eine Rede aus Buxtehude
Einleitung:
“OMAS GEGEN RECHTS – wer oder was ist das?”
Ihr kennt die Frage, und die kĂŒrzeste Antwort ist:
- Wir sind die aktuell gröĂte deutsche zivilgesellschaftliche FRAUEN-Organisation.
Und daran schliesst sich meistens sofort die Frage an … “und was ist mit OPAS?”
Die Antwort hat zwei Teile:
1. Der Name OMAS GEGEN RECHTS steht nicht zur Diskussion. Sorry, “Jungs”, das ist es, wer wir sind und wo wir herkommen.
2. In unseren AktivitĂ€ten und Gruppen vor Ort entscheidet allerdings jede regionale OMA Gruppe selbst, wie die konkrete Organisation aussieht, d.h. ob sie eine reine Frauengruppe sein möchte, oder “im Kern aus Frauen” besteht, bei Aktionen aber auch OPAs mitnimmt, oder ob sie auch OPAs aufnehmen, solange die Herren der Schöpfung sich nicht (Zitat aus einer andere OMA Gruppe) “alpha-mĂ€nnlich” benehmen und unter dem quasi als Marke gewachsenen Begriff “OMAS GEGEN RECHTS” mitmachen.
Denn:
“OMA”-sein bedeutet vor allem eine HALTUNG. Oder, wie es der Liedermacher Konstantin Wecker sagt, er ist”stolz, eine OMA GEGEN RECHTS zu sein“.
Ăbrigens wĂŒrde es andersherum nur sehr wenigen bis gar keinen Frauen einfallen, sich zu einer Gruppe dazuzugesellen und als Erstes den Namen in Frage zu stellen đ
Wir sind also OMAS GEGEN RECHTS und einer der zentralen Punkte unserer GrundsÀtze sind eben auch Frauenrechte.
Damit kommen wir zum heutigen Thema, denn:
Weil uns Frauenrechte wichtig sind, sind wir feministisch.
“Feminismus” – das Wort allein löst allerdings bei manchen, egal ob Mann oder Frau, schon “innere WiderstĂ€nde” aus đ Aber wie sagte die Kabarettistin Gerburg Jahnke so schön:
“Wenn man einmal ganz schlimm Feminismus hatte, geht das nie wieder weg.”
Gerburg Jahnke ist eine Ikone der deutschen Kabarettszene und wir feiern sie seit Jahrzehnten.
Aber schauen wir uns das einmal genauer an – was ist Feminismus?
Feminismus ist (hier wird’s einmal kurz anstrengend) laut Wörterbuch eine “Richtung der Frauenbewegung, die, von den BedĂŒrfnissen der Frau ausgehend, eine grundlegende VerĂ€nderung der gesellschaftlichen Normen (z. B. der traditionellen Rollenverteilung) und der patriarchalischen Kultur anstrebt.”
Langer Satz, kurzer Sinn: Feminismus ist unsere legitime Forderung nach gleichberechtigter Teilhabe an der Gesellschaft. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Feminismus ist nicht – wie es die Ultrarechten gern formulieren – “Der Untergang der Familie”. Nein. Es ist lediglich die Forderung nach gleicher Teilhabe von MĂ€nnern und Frauen an allem, ob im Beruf oder in der Familie – und davon profitieren dann letzteendlich alle.
Warum wir das fordern?
Forderungen entstehen eben, wenn man etwas nicht hat. Es ist in der Tat immer noch nicht so, dass wir uns mit vielem, was fĂŒr MĂ€nner selbstverstĂ€ndlich ist, in Frage stellen lassen mĂŒssen. Dass wir nicht dieselben Möglichkeiten, Chancen und GehĂ€lter haben wie unsere MĂ€nner und Kollegen. Dass wir uns immer wieder in “Rechtfertigungssituationen” wiederfinden. Dass unser Verhalten ganz anders und vor allem negativ bewertet wird. Plastisch gesagt: Wenn ein Mann laut und deutlich wird, ist er ein AnfĂŒhrer. Wenn eine Frau dasselbe macht, ist sie eine Zicke.
Oder noch kĂŒrzer: “Macht mal Platz, wir leben auch auf dieser Erde!” Feminismus wĂ€re also gar nicht nötig, wenn sich alle gleichberechtigt verhalten wĂŒrden. Es ist aber ein schönes System, uns erst unsere Rechte abzusprechen und dann, wenn wir sie einfordern, uns sogar schon den Begriff dafĂŒr lĂ€cherlich machen zu wollen.
Feminismus und Emanzipation stehen fĂŒr die Bestrebung, eine Gleichberechtigung zu erlangen – eine Bestrebung, die gar nicht notwendig wĂ€re, wenn Ungleichberechtigung nicht RealitĂ€t wĂ€re.
Es ist ein bisschen wie mit dem Wort “Antifaschist”.
Das wird immer noch direkt mit “linksradikal” gleichsetzt, obwohl es das gar nicht ist, denn es bedeutet nichts anderes als anti-faschistisch. Gegen den Faschismus. Und so ist es mit dem Feminismus. Es ist nur der Oberbegriff fĂŒr die Forderung nach gleichen Rechten, nichts anderes. Es ist weder “eklig” noch sonst irgendwie fies.
Eigentlich dachten wir, dass wir diese elenden ErklĂ€rungen und die gröĂten “FrauenrechtskĂ€mpfe” schon lĂ€ngst hinter uns hĂ€tten, aber die aktuelle politische Situation driftet bekanntlich immer weiter rĂŒckwĂ€rts. Wir berichteten in der > vorherigen Podcast-Folge (Nummer 10) ĂŒber das PhĂ€nomen, dass von junge Frauen immer hĂ€ufiger wieder zu hören ist “Ich bleib zu Hause, wenn mein Mann genug verdient“. In all der politischen Unsicherheit ist das sogar irgendwie nachvollziehbar – aber dieser RĂŒckzug in ein angeblich sicheres Terrain ist – wenn das nicht vernĂŒnftig gegenseitig abgesichert wird – nichts anderes als “Vogel Strauss Politik”.
NatĂŒrlich sprechen wir niemandem das persönliche Lebensmodell ab – solange davon andere und vor allem die Gemeinschaft insgesamt nicht negativ beeinflusst werden. Aber genau DAS ist hier eben die Gefahr. Denn dadurch werden die rechten Rufe nach “klassischer Ordnung” und nach “Frauen an den Herd!” gestĂ€rkt. Es wird alles an Frauenrechten und Gleichberechtigung aufs Spiel gesetzt, wofĂŒr so viele von uns sich ihr Leben lang eingesetzt haben.
Den ausfĂŒhrlichen Beitrag zu den Gefahren der “Ich bleib zu Hause …” Einstellung hatten wir in unserem vorherigen > omapodcast Nummer 10 – hört da gern nochmal rein.
Wir können heute direkt daran anschliessen, denn denn uns erreichte ein passender Beitrag von den
OMAS GEGEN RECHTS Buxtehude:
“Was haben feministische Bestrebungen uns gebracht?”
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Wir OMAS GEGEN RECHTS waren eingeladen worden, um gemeinsam mit Friydays for future gegen den Feminismus zu demonstrieren.
Ich bin Dorte und ich bin eine der OMAS GEGEN RECHTS Buxtehude.
Wir stehen heute hier, um gemeinsam ein Zeichen fĂŒr die Gleichstellung der Geschlechter zu setzen.
Als OMA GEGEN RECHTS möchte ich gern fĂŒr uns alle einen kurzen Blick in die Vergangenheit werfen â was haben feministische Bestrebungen fĂŒr uns bereits errungen?
Nehmen wir die Frauenrechtlerinnen, die sogenannten Suffragetten, die vor mehr als 100 Jahren in England den Kampf fĂŒr die Gleichberechtigung aufgenommen haben. Ohne die Suffragetten, die sehr viel riskiert haben, um das Wahlrecht fĂŒr Frauen zu erlangen, könnten wir heute hier so nicht stehen. Diese mutigen Frauen wurden verspottet, verhaftet und manche haben sogar ihr Leben verloren. Doch genau diese Frauen haben den Grundstein fĂŒr eine demokratische Gesellschaft gelegt, von der wir heute profitieren.
Auch in Deutschland gab es entscheidende Erfolge, die ohne den Mut engagierter Frauen nicht denkbar wĂ€ren. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten Helene Weber, Elisabeth Seibert, Frieda Madig und Helene Wess durch, dass Artikel 3 ins Grundgesetz aufgenommen wurde: âMĂ€nner und Frauen sind gleichberechtigt.â
Und auch daran sollten wir alle uns erinnern: Noch bis 1977 durften Frauen in Deutschland nur mit der Zustimmung ihres Mannes erwerbstÀtig sein. Es waren beharrliche KÀmpferinnen, die uns diese Freiheit erstritten haben. Viele OMAS GEGEN RECHTS sind in diesen Zeiten groà geworden und waren mit der Erlaubnis ihrer EhemÀnner konfrontiert.
In den 70er-Jahren gingen Frauen auf die StraĂe, um gegen den berĂŒchtigten Abtreibungsparagraphen § 218 zu demonstrieren. Sie kĂ€mpften fĂŒr das Recht auf Selbstbestimmung ĂŒber den eigenen Körper â ein Grundrecht, das gerade heute wieder verteidigt werden muss, schaut man in die Parteiprogramme der einen oder anderen Partei. Diese Errungenschaften sind nicht vom Himmel gefallen. Sie wurden erstritten â von Menschen wie uns, die angetreten sind, um fĂŒr eine gerechtere Welt zu kĂ€mpfen.
Diese Erfolge sind Grund zur Dankbarkeit, aber sie sind auch Verpflichtung!
Viele Rechte, die uns heute selbstverstÀndlich erscheinen, wie das Recht zu wÀhlen oder selbstbestimmt zu arbeiten, mussten hart erkÀmpft werden.
Stellen wir uns einmal vor, wie unser Leben aussĂ€he, wenn wir Frauen keine Wahlmöglichkeiten hĂ€tten. WĂ€hlen zu dĂŒrfen oder den Beruf frei zu wĂ€hlen, das alles war einst eine Vision mutiger Menschen. Heute mĂŒssen wir sicherstellen, dass diese Errungenschaft lebendig bleibt und keine RĂŒckschlĂ€ge erleidet.
Aber Feminismus muss auch heiĂen, den eigenen Weg immer wieder kritisch zu prĂŒfen. Er darf niemals selbst ausgrenzen â weder durch elitĂ€res Denken noch durch Forderungen, die die Vision einer – wirklich –  gerechten Gesellschaft untergraben. In einigen, aktuellen Diskussionen sehen wir, wie berechtigte Anliegen in Extrempositionen umschlagen können, die statt Gleichberechtigung neue Ungerechtigkeiten schaffen. Das passiert zum Beispiel, wenn gesellschaftliche MissstĂ€nde pauschal MĂ€nnern angelastet werden oder wenn LebensentwĂŒrfe, die nicht ins eigene Weltbild passen, abgewertet werden.
Zudem ist es wichtig, sich auch bewusst zu machen, dass Feminismus nicht nur den Weg zu mehr Rechten und Teilhabe fĂŒr Frauen ebnet, sondern auch die Frage aufwirft, welche Werte und Ziele diese MachtverĂ€nderung verfolgt. Denn wenn Frauen wie Frau Le Pen, Frau Meloni oder Frau Weidel politische Positionen besetzen, kann dies zeigen, wie Feminismus fehlinterpretiert oder instrumentalisiert werden kann. Solche Beispiele mahnen uns, wachsam zu sein, damit die Errungenschaften des Feminismus nicht untergraben werden, sondern vielmehr zu einer gerechteren Gesellschaft beitragen.â
Denn wir mĂŒssen Entwicklungen erkennen, die uns alarmieren. Parteien wie die AfD romantisieren ein RĂŒckkehrmodell, das Frauen ihre hart erarbeitete SelbstĂ€ndigkeit wieder nehmen wĂŒrde. Noch alarmierender ist, dass manche junge Frauen diesen RĂŒckzug aus der SelbststĂ€ndigkeit als ideal empfinden und sich ausschlieĂlich auf ein Leben als Hausfrau und Mutter konzentrieren wollen. Lasst uns nicht vergessen: Dieses Lebensmodell ist nur dann wirklich frei, wenn es eine Wahl und keine AbhĂ€ngigkeit bedeutet.
Jeder Mensch soll frei entscheiden können, wie das eigene Leben gestaltet wird. Aber wenn politische Bewegungen darauf abzielen, diese Freiheit einzuschrĂ€nken und Frauen wieder in AbhĂ€ngigkeit zu drĂ€ngen, mĂŒssen wir entschieden gegenhalten.
Deshalb mein Appell als OMA GEGEN RECHTS an euch:
Nutzt eure Stimme, um fĂŒr eine Welt zu streiten, in der Freiheit und Gleichberechtigung nicht verhandelbar sind.
Lasst uns gemeinsam fĂŒr Klimagerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit einstehen â denn sie gehören untrennbar zusammen.
Unsere Rechte sind das Ergebnis vergangener KĂ€mpfe, und es liegt an uns, sie zu bewahren und weiter auszubauen.
Lasst uns fĂŒr unsere Erde, unsere Freiheit und unsere Rechte einstehen.
Mit Mut, mit Herz und mit der festen Ăberzeugung, dass Geschichte von denen geschrieben wird, die nicht schweigen.
Danke.
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Mit diesen mitreiĂenden Worten schlieĂen wir an dieser Stelle, dem ist nichts hinzuzufĂŒgen.
Eine groĂartige Zusammenfassung und ein wichtiger Aufruf an alle. Vielen Dank dafĂŒr!
Die OMAS GEGEN RECHTS Buxtehude erreicht Ihr auf der OMA Nordwebseite unter:
https://omasgegenrechts-nord.de/buxtehude
Wenn Ihr auch einen Beitrag habt, den wir im omapodcast.de veröffentlichen dĂŒrfen, schreibt uns einfach:
kontakt@omasgegenrechts-nord.de
Und hier noch ein paar Bilder, die uns zum Beitrag mitgeliefert wurden:







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