Notizen (Teil 2) einer OMA aus dem Herzogtum Lauenburg
Notizen einer Oma gegen Rechts aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg – Betroffenheitslyrik in mehreren Kapiteln
Kapitel 1 hatten wir bereits > hier, nun dürfen wir Kapitel 2 mit Euch teilen:
Kapitel 2 Ausbreitung des Rechtsextremismus
Wie schon im ersten Kapitel beschrieben,
sind die Zustimmungswerte der AF* seit der Bundestagswahl gestiegen.
Die Bewegung bekäme 26 % im Bundestag, wären heute Wahlen,
die Prognosen für die Landtagswahlen 2026 bereiten mir nur noch Qualen.
Die AF* in Baden-Württemberg kann in den Umfragen auf 20 Prozent zulegen,
für Rheinlandpfalz haben die Erhebungen einen Wert von 18% ergeben.
In Berlin toben (noch) Vielfalt und Leben,
hier wird ein Stimmenanteil von 17 % für die Bewegung angegeben.
In Sachsen-Anhalt erhalten die Rechtsextremen 39% nach aktuellen Umfragen,
ob sie die absolute Mehrheit bekommen, kann man noch nicht sagen.
Auch in Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet sich ein starker Aufwärtstrend,
hier liegen die Rechtextremen bei 38 Prozent.
Ich muss diese Zahlen hier schreiben,
es fällt mir schwer, sachlich zu bleiben.
Unermüdlich setzen sich DemokratInnen gegen den Faschismus ein,
ungeachtet dessen kann sich die AF* über stetigen Zuwachs erfreun.
Nicht einmal die Einstufung vom Verfassungsschutz als rechtsextrem hat die AF* beschwert,
im Gegenteil, sie hat die Wahrheit in Lüge gekehrt.
Zugute kommt ihr unser Rechtssystem,
denn gegen die Einordnung als gesichert rechtsextrem,
hat die AF* einen Eilantrag eingereicht – das steht ihr zu, unbenommen,
daraufhin ist es zu einer Stillhaltezusage seitens des Verfassungsschutzes gekommen.
Bis zum Gerichtsentscheid wird die Bewertung als gesichert rechtsextrem unterbleiben,
um dem VG Köln die Möglichkeit zu geben, in Ruhe zu entscheiden.
Aus dieser poltical correkten Stillhaltezusage hat die AF* wieder einen Erfolg gemacht
und die Mär von den politischen unterdrückten Underdogs in Umlauf gebracht.
Es sieht so aus, als hätte uns die rechtsextreme Lawine längst überrollt,
die von der großen Mehrheit der BürgerInnen zunächst so nicht gewollt.
Ich selbst erinnere mich noch sehr gut daran,
diese völkische Bewegung fing vergleichsweise harmlos an.
Ein Jahr nach ihrer Gründung hatte die AF* zur Bundestagswahl 2014 4,7 % Stimmenanteil bekommen,
ihre Themen waren überwiegend wirtschaftspolitisch und eurokritisch und wurden nicht ernst genommen.
Bald kam es zu Flügelkämpfen in der neu gegründeten Partei,
um die Ausrichtung, ob national-liberal (Lucke) oder völkisch-national (Höcke) ging es dabei (*1)
Lucke, Gründer der AF*, verlor den Flügelkampf 2015 und wurde abgewählt,
Frauke Petry folgte, die Weichen für einen rechtsextremen Kurs waren gestellt (*2)
Den richtigen Auftrieb bekam die AF* 2015 mit dem Flüchtlingsstrom,
und der legendären Aussage von Frau Merkel: „Wir schaffen das“ [schon].
Viele Flüchtlinge kamen ins Land, um Schutz zu suchen,
in dieser Phase konnten die Rechtextremen einen großen Zulauf verbuchen.
Sie instrumentalisierten das Thema Migration, bauschten es auf und verbreiteten Hass und Häme,
der Bevölkerung wurde suggeriert, von allem, was nicht völkisch ist, kommen massive Probleme.
Aufgewiegelt von AF* und Pegida kam es zu massenhaften Protesten,
die WutbürgerInnen machten Druck gegen die Volksverräter und Lügenpresse hauptsächlich im Osten – aber auch im Westen.
So wurden die Unzufriedenen zunächst gegen die „Die Da Oben“ auf den Straßen mobilisiert
und sodann zur Stimmabgabe für die AF* an die Urnen geführt (*3)
Bereits 2016 brachten die rechtsextremen Parolen in den ostdeutschen und einigen westdeutschen Bundesländern zweistellige Ergebnisse ein,
hier hätte man schon seitens der Politik gegensteuern müssen, aber man redete die rechtsextreme Bewegung klein.
Bis heute wurde viel zu wenig zum Schutz der Demokratie unternommen,
so als gäbe es hinsichtlich rechtlicher Schritte gegen die AF* ein geheimes Stillhalteabkommen.
Stattdessen können die Rechtsextremen ungehindert für ein völkisch- nationales Deutschland streiten
und sich in den Parlamenten in ganz Deutschland ausbreiten.
Was ist es, was diese Bewegung mit ihren hasserfüllten Parolen auch für friedfertige Menschen so wählbar macht?
Die Rechtsextremen vermögen geschickt zu argumentieren und ihre Methode ist gut durchdacht.
Als politische Strategie wird ein Kulturkampf geführt und als Waffe eingesetzt,
Themen, wie Identität und Nation, Bildung, Migration, Gender, Familie und Erinnerungskultur werden besetzt.
Gesellschaftliche Konflikte werden zugespitzt und emotional aufgeladen,
dabei geriert sich die AF* als Deutungsinstanz für kulturelle und moralische Fragen.
Die AF* bietet einfache Lösungen an, populistisch und banal,
sie löst scheinbar Probleme über ihre völkischen Werte und ihre völkische Moral.
Der Kulturkampf spricht Ängste, Kränkungen und Zugehörigkeit an,
viele WählerInnen entscheiden sich dann emotional für die „richtige Seite“, – nicht für ein Programm.
So werden die Menschen in zwei Gruppen eingeteilt,
in die (völkische) „Wir-Gruppe“ und die (fremden) „Anderen“, die das Schicksal der Außenseiter ereilt.
Stereotype, wie Kopftuchmädchen (*4), alimentierte Messermänner (*5), abgewrackte Schabracken (*6) (OMAS), links-rot-grün-verseuchtes Deutschland (*7) – die wir alle kennen,
sind Feindbilder, einzig und allein zu dem Zweck, um die „Guten Wir“ von den „Bösen Anderen“ zu trennen.
Ja! Der Ton und das Klima in unserer einst friedlichen Gesellschaft sind anders geworden,
Gauland will eine unliebsame SPD-Politikerin in „Anatolien entsorgen“. (*8)
Und Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender und Möchtegern- Ministerpräsident in seinem Bundeslande,
bezeichnet das Holocaust-Mahnmal bei steigender Wählergunst als „Denkmal der Schande“. (*9)
Zu einer weiteren Geschichtsfälschung, um Abstand zum Nationalsozialismus zu erreichen,
riss sich Frau Weidel dazu hin, Adolf Hitler als „Kommunisten“ zu bezeichnen. (*10)
Fazit!
Der Kulturkampf hat die Grenzen unserer gängigen Moralvorstellungen durchbrochen,
was früher unsäglich war, wird heute offen und zumeist ungestraft ausgesprochen.
Viele WählerInnen finden das gut oder stören sich nicht daran,
für sie ist die AF* die Heilsbringerin, die ihnen (scheinbar) aus ihrer Misere helfen kann.
Die Unzufriedenen, Gekränkten und Abgehängten fühlen sich bei der AF* gut aufgehoben,
haben sie doch in ihr (angeblich) eine Verbündete gegen „Die Da Oben“.
Wegen schnöder Wahlversprechen lassen sie sich auf Rechtsextremisten ein,
was bitte schön, soll denn die Alternative für Deutschland sein?
„Alternative für Deutschland“!!!!!! Im Zusammenhang mit Äußerungen der Parteifunktionär/Innen und dem Parteiprogramm,
hört sich nach einem eklatanten Umbau unseres Staates und unserer Gesellschaft an.
Alternative, und nach meinen Recherchen bin ich mir sicher wie nie,
bedeutet Abschaffung der hart errungenen Demokratie.
Was man aus dem Wort Alternative noch herauslesen kann,
sehen wir uns am besten mithilfe des Stilmittels des Akrostichons an:
A – Autokratie
L – Lügen
T – Terror
E – Entmenschlichung
R – Rechtsextremismus
N – Niedertracht
A – Ausgrenzung
T – Totalitarismus
I – Intoleranz
V – Verrat
E – Elend
Mit dem Ziel, das Elend abzuwenden, demonstrieren und planen wir weiter so manche Aktion.
Keine Angst!!!! Um es mit Frau Merkel zu sagen: „Wir schaffen das“ [schon].
Fortsetzung folgt
Jutta, OMA GEGEN RECHTS aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg
*1 vgl. Volker Weiß, Die autoritäre Revolte, S.89.
*2 vgl. Volker Weiß, a.a.O, S.90.
*3 Vgl. Volker Weiß, a.a.O, S. 23.
*4 Alice Weidel, Aussprache im Deutschen Bundestag, 16. Mai 2018. In: WEB.DE (Politik), 16.5.2018, „Kopftuchmädchen“ und „Messermänner“ – Schäuble rügt Alice Weidel.
*5 Alice Weidel, a. a. O.
*6 Dr. Christian Blex , Aussage auf einer Kundgebung in Lippstadt am 15.02.2025. In: Soester Anzeiger, 3. 4.2025, „ AFD Mann Blex durfte „eklige Omas“in Lippstadt „abgewrackte Schabracken“ nennen“.
*7 Jörg Meuthen, Rede auf dem AFD-Parteitag in Stuttgart, 30. April 2016. In: Tagesspiegel, https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/zwischen-den- fronten-5471821.html
*8 Alexander Gauland: Aussage im thüringischen Eichsfeld im August 2017 über die damalige Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.August 2017,
„Gauland will Integrationsbeauftragte in Anatolien „entsorgen“.
*9 Björn Höcke, Rede auf einer AFD-Veranstaltung am 17. Januar in Dresden (Ballhaus Watzke). In: Berliner Zeitung, 18.01.2017, „Björn Höcke hält in Dresden Hetz-Rede zu Holocaust-Mahnmal: „Denkmal der Schande“ im Herzen Berlin“.
*10 Alice Weidel: Aussage im Gespräch mit Elon Musk auf X, 9. Januar 2025. In: Der Tagesspiegel, 9.1.25, „Der Talk von Elon Musk und Alice Weidel: Das waren die fünf schrägsten Aussagen“.






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