# Rede-Vorschlag zu rechter Gewalt

Ich wurde gebeten (Vielen Dank für das Vertrauen!), einen Rede-Vorschlag zum Thema „rechte Gewalt“ zu schreiben. Anlass sind die aktuellen Vorfälle in Sachsen und Brandenburg. Die Rede soll daher auf einer Veranstaltung für den Zusammenhalt gegen rechte Gewalt gehalten werden. Hier wie gewünscht:
Redevorschlag „Rechte Gewalt“
Hallo zusammen ich bin … von den OMAS GEGEN RECHTS.
Ihr habt es alle gehört: In Cottbus wird die Tür eines Pfarrers eingetreten, der sich demokratisch engagiert. Brandsätze werden geworfen. Eine Frau wird von Rechtsextremen vom Fahrrad gerissen und so weiter – kein Tag vergeht ohne neue rechte Gewalttaten.
Das findet statt. Jetzt. Aber wo ist der Lärm?
Richtig laut wird es immer erst dann, wenn die Tatverdächtigen keinen biodeutschen Hintergrund haben. Aber rechte Taten bleiben meistens „Randnotizen“.
Klar, das ist alles ist nichts Neues – doch das macht es auch nicht besser.
Die Zahl rechtsextremer Straftaten ist drastisch gestiegen – und mit ihr die Gefahr für unsere Demokratie.
Von 2023 zu 2024 wurde ein Anstieg rechter Gewalt um fast 50% verzeichnet – die höchste jemals erfasste Zahl. Und bevor jemand fragt: Von allen politisch motivierten Straftaten waren 6.000 linksextrem, aber fast 40.000 rechtsextrem.
(Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/4721/umfrage/vergleich-der-anzahl-von-rechten-und-linken-gewalttaten/)
Ganz konkret wird also durchschnittlich VIERMAL am TAG ein Mensch in Deutschland Opfer rechter Gewalt. VIERMAL täglich.
Und alle Innenministerien weisen bereits seit Jahren darauf hin, dass der Rechtsextremismus die größte Gefahr für die innere Sicherheit ist.
Doch was passiert ?
Leider wenig oder nichts. Die Zahlen und Fakten werden verharmlost und ganz anders interpretiert.
Wie bei den Rechten üblich, sind SIE ja auch nicht Schuld, sondern natürlich ALLE ANDEREN. Und das haben sie inzwischen gut in den Köpfen verankert.
Statt rechte Gewalt als strukturelles Problem zu erkennen und gezielt dagegen vorzugehen, werden vor allem rassistische, aber auch antifeministische, inklusions- und queerfeindliche Schuldzuweisungen so lange und so laut wiederholt, dass sie sich in der Gesellschaft durchsetzen. Das geschieht ganz einfach über Schlagwörter wie …
- # Messermänner, …
- # Kopftuchmädchen …
- # oder auch „Problem im Stadtbild“
- # und wenn das nicht reicht, dann „… fragt Eure Töchter.“
Alle diese Begriffe lenken die Schuld auf andere und sollen uns eine „alternative“ 😉 Wahrheit vorgaukeln.
Wir sollen glauben, dass rechte Gewalt gar nicht das eigentliche Problem ist.
Wir sollen glauben, dass rechte Gewalt – wenn sie überhaupt stattfindet – ja nur eine Reaktion sei, nur eine Antwort auf das, was ANDERE ausgelöst haben.
Aber es bleibt bei dem, was wirklich passiert:
- Rechtsextreme treten Türen ein.
- Rechtsextreme bedrohen alle, deren Nase ihnen nicht passt.
- Rechtsextreme rufen zu Gewalt und Mord auf.
Und das schon bei kleinsten Anlässen.
Ihr kennt das – denn alle, die sich gegen Rechts und für Mitmenschlichkeit einsetzen, alle, die sich mit Opfern solidarisch zeigen – wir alle wissen, wovon wir sprechen:
Mord- und Gewaltdrohungen sind quasi „normal“. Viele von uns sind bereits Opfer rechter Straftaten in kleinem oder größeren Rahmen geworden. Und WIR ALLE sind von rechter Gewalt bedroht.
Aber das ist EBEN NICHT NORMAL!
Und darum wehren wir uns gegen Schuldverschiebungen, falsche Analysen und jede Art von Gewalt. Wir wehren uns dagegen, Opfer zu sein. Und wir wehren uns sogar dagegen, uns von all diesem Hass leiten zu lassen.
Es gib einen zentralen Satz, der auch schon von mehreren prominenten Menschen genutzt wurde:
„Ich will mich nicht gewöhnen“
Das ist eine stabile Aussage. Stabil gegen unsere gefühlte Ohnmacht und für unseren Widerstand.
„Ich will mich nicht gewöhnen“
Das ist eine aktive, positive Verweigerung. Gegen das „Normalwerden“. Gegen das „Schulterzucken und Hinnehmen“.
„Ich will mich nicht gewöhnen“
Das ist ein Aufruf, um aufzustehen: Für die Werte unseres Grundgesetzes, für unser Miteinander – denn das Leben ist mehr als nur Routine oder Hektik oder ein ständiges „Sich-Arrangieren“.
„Ich will mich nicht gewöhnen“
Das bedeutet, über Umwelt und Mitmenschen nachzudenken und sich aktiv für alles einzusetzen, was uns gemeinsam voranbringt.
„Ich will mich nicht gewöhnen“
bedeutet für uns auch, dass wir nichts hinnehmen, was rassistische, faschistische oder antisoziale Züge in irgendeiner Art hat.
Jakob Springfeld (junger Autor gegen Rechts aus Sachsen) hat kürzlich auf einer Veranstaltung gesagt: >> Man muss ein ziemliches Arschloch sein, um weiter die Fresse zu halten, wenn um einen herum rassistische Sprüche und Gewalt zunehmen. <<
Auch er will sich eben nicht gewöhnen.
Und dieses „nicht die Fresse halten“ bedeutet: Das, was wir noch miteinander haben, ist der Zusammenhalt.
Wir werden kaum noch aufhalten können, was auf uns zukommt, aber wir können auf der „unteren Ebene“ – nämlich alle miteinander – zusammenhalten.
Nicht irgendwer, sondern wir.
Gewalt ist nicht nur ein Jugendproblem. Gewalt ist auch kein Randgruppenproblem. Gewalt ist ein strukturell eingesetztes Mittel. Ob an der Tür eines Pfarrers oder in den Abgründen der NSU. Ob auf der Straße oder im Internet.
Aber es geht zuallererst nicht um Strukturen und Zahlen, es geht um Menschen!
Und mit Mit-Menschlichkeit können wir alle etwas tun. Wir können uns um Opfer kümmern. Wir können zeigen, dass SIE wichtiger sind als die Täter. Wir können aufstehen dafür, dass es sich lohnt zu bleiben. Wir können uns gemeinsam Mut machen in einer Zeit, in der uns der Mut manchmal verlässt.
Denn Bedrohungen lassen uns erstarren, können aber auch solidarisieren.
Anders als die Rechten sind wir sind nicht von Hass zerfressen.
Anders als die Rechten haben wir Freundschaften, die nicht nur auf Nationalismus basieren.
Anders als die Rechten sehen wir Angst nicht als Zeichen von Schwäche. Unsere Angst ist unser Warnsystem. Unsere Angst ist ein stärkendes Moment. Und diese Stärke zeigen wir mit Solidarität und Freundschaft statt Neonazi-Sch…prüchen.
Wir können Alternativen aufbauen, wir können aufzeigen, wo und wie es anders geht. Schliesst Euch zusammen! Informiert Euch, bildet Netzwerke und seid immer da, wo es die Rechten auch sind, bis es ihnen langweilig wird!
Wir müssen gar nicht alle unsere unsere politischen Einstellungen teilen, aber wir müssen uns gemeinsam zeigen!
Oder, wie es ein Bekannter sagte: „Die Brandmauer ist kaputt – wir sind jetzt die Feuerwehr.“
Und das gerade auch als OMAS GEGEN RECHTS.
Wir sind zwar selbst vielleicht keine direkten Zeitzeug:innen mehr, aber wir sind geprägt und aufgewachsen in einem Umfeld von Menschen, die im Faschismus gelebt haben.
Und das lässt uns immer wieder fragen: Was bin ich JETZT für eine Zeitzeugin? Was will ich für eine sein? Was kann ich tun?
Und wir KÖNNEN alle etwas tun. Gemeinsam. Miteinander.
Einen einzelnen Stab kann man brechen – einen ganzen Stapel nicht.
ALLES GUTE!
Sandra
OMAS GEGEN RECHTS Bundesweit
kontakt@omasgegenrechts-nord.de






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