<< zurück | Post ID # 6917 | 27.01.2022

Kiel: Kundgebung am 27.1.22

Ca. 800 Menschen waren dem Aufruf des Runden Tisches gegen Rassismus und Faschismus gefolgt.
Hier die Rede der Omas:
Dass wir ausgerechnet heute, am 27. Januar , dazu aufgerufen haben, sich gegen den Einfluss rechtsradikaler Gruppen bei den Corona Protesten zu stellen, ist kein Zufall:
Heute vor 77 Jahren hat die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreit, das erste von vielen weiteren Lagern, und danach wurde das ganze Ausmaß des industriellen Massenmordes in Deutschland für alle sichtbar. Das Judentum sollte vernichtet werden, und auch alle anderen Menschen, die von den Faschisten als minderwertig betrachtet wurden. So fielen 6 Millionen Jüdinnen und Juden, hundertttausende Sinti und Roma, Menschen auf dem Balkan, in slawischen Ländern, Menschen mit Behinderung, homosexuelle Menschen, Kommunist*innen, Sozialdemokrat*innen, Christinnen und Christen – kurzum alle, die nicht in das faschistische Weltbild passten, der Tötungsmaschinerie der Nazis zum Opfer.
Und so macht das heutige Datum sehr deutlich, wie wichtig es ist, den Faschismus konsequent und entschlossen zu bekämpfen. Sicherlich haben nicht alle Menschen, die gegen Corona-Maßnahmen protestieren, eine faschistische Gesinnung. Viele schätzen sich selbst als eher unpolitisch ein. Das mag bei vielen auch zutreffen; es sollte uns aber nicht darüber hinwegtäuschen, von wem diese Protest-“Spaziergänge” befeuert und organisiert werden: Nämlich nicht von den Bewahrern der Freiheit, sondern von Kräften, denen eine demokratische, offene und vielfältige Gesellschaft schon immer ein Dorm im Auge war. Dass inzwischen alle von der Pandemie müde und zermürbt sind, ist für die Nazis sowas wie ein Geschenk des Himmels und eine Gelegenheit, hanebüchene Erzählungen von der Umvolkung bis zur Verschwörung des internationalen Judentums in die Welt zu setzen. Und so läuft auf den Spaziergängen so manche und mancher den Nazis hinterher, ohne sich darüber klar zu sein, wem er da beim Beseitigen der Demokratie hilft.
Es ist wahr: nicht alles staatliche Handeln in der Corona Pandemie verdient Beifall.
Es gibt ein unwürdiges Schachern um Bonuszahlungen für Pflegekräfte, und die Gesundheitsgefahren, denen sich zum Beispiel Erzieher*innen und Lehrer*innen täglich aussetzen müssen, werden von der Politik übergangen. Die Belastungen anderer, die an Supermarktkassen, im Einzelhandel oder am Lenkrad des Busses den” Laden am Laufen” halten und dabei nicht nur der Infektionsgefahr sondern auch Pöbeleien und Anfeindungen ausgesetzt sind, tauchen kaum in der politischen Debatte auf.
Wir stehen heute hier, um daran zu erinnern, wie wichtig Solidarität und Zusammenhalt unserer Gesellschaft sind, um diese Pandemie zu bewältigen. Und wir stehen alle gemeinsam hier, weil wir diese Demokratie in Schutz nehmen wollen. Wir wollen keine Nazis, nicht auf der Straße, nicht in unseren Parlamenten , nicht als Bundespräsidenten- wir wollen eine solidarische, offene und vielfältige Gesellschaft.
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