<< zurück | Post ID # 11840 | 27.01.2024

Ostwestfalen: Rede der OMAS GEGEN RECHTS

Auf vielfachen Wunsch hier der Text der Rede, die die OMAS GEGEN RECHTS Ostwestfalen gestern vor vielen Tausend Menschen mit großem Beifall gehalten haben. Die Rede ist auch als => Live-Mitschnitt auf YouTube zu sehen.

Hallo und schön, dass Ihr alle hier seid!

Ich bin Sandra (Name geändert, die Red.) und bei den OMAS GEGEN RECHTS.

Wir OMAs haben ja immer schon gesagt, dass man nicht mit Nazis spielt 🙂

Jetzt haben wir den Salat – aber es ist gut, dass so viele Menschen endlich auf der Strasse sind und laut aufstehen gegen Rechts! Das ist richtig, das muss und darf gefeiert werden!

Aber es darf hier nicht ENDEN. Es muss ein ANFANG sein, damit wir das Ruder in Deutschland vielleicht doch noch rumreissen.

Ich möchte, dass sich alle hier mal kurz bewegen. Jetzt. Einfach nach links und rechts drehen. Was seht Ihr? Nein, nicht die Apotheke da drüben 😀 Vielleicht gibt’s da auch was gegen Rechts, das wäre schön!

Ihr seht MENSCHEN. Und genau die MENSCHEN sind es, um die es bei allem hier geht.

Erst “nur” um den ausländischen Kollega fünf Meter weiter – der wird re-immigriert …
Dann um das lernbehinderte Kind der Nachbarn – dem wird die Unterstützung entzogen …
Dann um den schwulen Kollegen … und DANN irgendwann um DICH,
weil Du NICHT in der einzigen Partei bist, die es dann noch gibt.

Ich selbst bin etwas zu dick, eine Frau, politisch aktiv und Flüchtlingshelferin. Damit wäre ich für die Rechten ein gefundenes Fressen und ganz weit oben auf der Liste. Allein schon an “Listen” denken zu müssen, zeigt, wo wir stehen.

Es gibt ein Zitat dazu, dass schon oft vorgetragen wurde.

“Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr,
der protestieren konnte.”

Das ist von Martin Niemöller, einem von den Nazis inhaftierten Pfarrer.

Wenn wir jetzt nicht ganz deutlich etwas tun, dann passiert genau DAS. Dann sind Sie, Du, wir alle sehr schnell nicht mehr hier auf der Strasse, sondern im Knast oder auf der Flucht.

Ich übertreibe nicht und ich bin auch nicht hysterisch, ich habe sogar ein ganz konkretes Beispiel:

In Bayern sind gerade zwei Afd-Ler zu Verfassungsrichtern gewählt worden. Nochmal langsam: zwei Menschen, die verfassungsfeindliche Politik befürworten, sind Verfassungsrichter geworden. Mit der Zustimmung “christlicher” Parteien.

Schaut mal auf Wikipedia – das ist wie aus dem Handbuch der Nazis von 1933.

Und wer jetzt immer noch meint, “Ach, das wird schon nicht so schlimm”, für den habe ich noch ein Zitat:

“Wir kämpfen nicht mit illegalen Mitteln, aber noch zwei bis drei Wahlen, dann sitzen wir in der Mehrheit und werden den Staat so gestalten, wie wir ihn haben wollen.”

Das Zitat ist nicht von Höcke. Es ist von – HITLER, nur wenige Jahre vor der Machtergreifung.

Und die Afd brüllt ganz ähnliche Sprüche schon die ganze Zeit.

Aber anstatt ganz deutlich zu widersprechen, rücken weite Bereiche der Politik einfach auch immer weiter nach Rechts. Ich sage nur “Werteunion” – wessen Werte sollen das sein? UNSERE bestimmt nicht.

Ja, in einer Demokratie muss man sich streiten. Man muss auch andere Meinungen aushalten. Aber man darf das NICHT ausnutzen, um die Demokratie zu vernichten.

Denn es ist falsch, immer nur EINE Menschengruppe verantwortlich zu machen. Es ist falsch, Gewalt zu verherrlichen. Es ist falsch, irgendeinen Menschen nur wegen seiner Hautfarbe, Religion oder Lebensart zu verurteilen. Kommt Euch bekannt vor? Richtig, das ist unser GRUNDGESETZ. Das Grundgesetz hält unsere Demokratie zusammen. Wer das nicht will, darf gern GEHEN.

Und es ist falsch, “rrrrrein Deutsch” bleiben zu wollen – dann wirds hier in Deutschland auch ziemlich leer.

Was ist denn “rrrrrein Deutsch?” Gibt es hier auch nur EINEN EINZIGEN Menschen, der nicht ein anderes Land in seinem Stammbaum hat? Was ist mit den fehlenden Pflegekräften, woher sollen die kommen? Mein Arzt is Syrer, den würde ich gern behalten. Mein Kollege ist Bulgare – ist er ein “besserer Ausländer” als alle anderen? Was bitte sind das überhaupt für Gedankengänge. Himmel, es ist 2024! Unseren Kindern ist es vollkommen egal, wer woher kommt. Und genau das sollte es auch sein.

Aber die Züge rollen schon. Abschiebungen sind real. Anfeindungen sind real. Unmenschliche Sprache ist real. “Re-Migration” ist real. Nicht “irgendwo in Berlin”, sondern hier, um uns herum.

Und die Einzigen, die ein neues 1933 verhindern können, sind WIR.

Wer jetzt immer noch meint, der Einzelne können doch gar nichts bewegen – der hatte noch nie eine Mücke im Schlafzimmer 😀

Ja, wir können etwas bewegen. Sagt einfach NEIN. Nicht nur hier auf der Demo, sondern auch ganz konkret im Alltag. Informiert Euch, engagiert Euch, sagt NEIN zu rechtem Blabla, EGAL wo Ihr es hört. IHR seid die, die verhindern können, dass Rassismus und Gewalt NORMAL werden. IHR seid die, die es ändern können. Niemand sonst.

Ein kleines Beispiel:

In Niedersachsen haben nicht die gewählten Parteien, sondern die OMAs verhindert, das etwas Ähnliches wie in Bayern passiert. Sie haben die menschenverachtenden, gewaltverherrlichen, widerlichen Zitate der Afdler ausgedruckt und sind damit in ihren Landtag gegangen. Dort sollte ein Afd-Mensch Vorsitzender eines Ausschusses werden, was dadurch verhindert wurde.

Also:

Die “da oben” sind nicht unerreichbar und auch nicht unfehlbar. Alle politisch tätigen Menschen können direkt angesprochen werden. Jeder Stadtrat, jede Bürgermeisterin, alle Abgeordneten haben Emailadresse, Facebookaccounts und offene Sprechstunden. Fragt sie. Ganz direkt. Zeigt Ihnen, dass wir nicht wegschauen. Das WIR Deutschland sind, nicht die Nazis.

Und “die da oben” sind auch nicht für alles verantwortlich. Wenn ein Jugendtreff fehlt, engagiert Euch. Wenn Euch etwas nicht passt, engagiert Euch. Wenn ein Bekannter nörgelt, dass ihm alles Mögliche nicht passt in Deutschland, dann soll er was dagegen tun. Das ist Deutschland. Das ist Demokratie. Wir können alle etwas bewegen.

Und vor allem – geht wählen. Eine Bekannte hat micht gefragt “Ja, aber wen soll man denn sonst wählen?” Das ist egal. Alles, nur nicht Rechts. Selbst wenn Ihr die Tierschutzpartei wählt (jetzt nichts gegen die Tierschutzpartei, das ist auch wichtig!), dann ist das immer noch eine Stimme GEGEN die AfD. Eine Stimme DAGEGEN, dass sich 1933 wiederholt.

Ja, ich wäre auch lieber auf dem Sofa. Aber dazu ist gerade nicht die Zeit.

Denn ich möchte, dass wir alle ganz laut auch JA sagen. JA zu einem bunten Deutschland, das wir uns nicht von Rechtsextremen wegnehmen lassen. JA zu allen Menschen, egal wo sie herkommen, egal wen sie lieben, egal welche Einschränkungen sie haben. JA zu allen, die zivilisiert und freundlich miteinander umgehen. Und darum lasst uns laut rufen WIR SIND MEHR, solange wir es noch können!

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