<< zurück | Post ID # 29995 | 12.12.2025

# OMAs Advent 2025 – Türchen 12: Die kleinen Leute von Wippidu

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Heute in all dem politischen Wahnsinn einfach nur eine schöne Geschichte für Euch, die uns schon seit vielen, vielen Jahren begleitet. Ihr könnt diese Eurem „Tagesgeschehen“ zuordnen oder auch bei Lesegruppen oder in Schul/Jugend-Zusammenhängen gut verwenden 🙂

Die kleinen Leute von Wippidu

(Original: „The Little People of Swabedoo“)

Vor langer, langer Zeit lebten kleine Leute auf der Erde, in einem Dorf namens Wippidu. Sie nannten sich „Wippidus“. Sie waren sehr glücklich, liefen immer einem Lächeln bis hinter die Ohren herum und grüßten sich alle.

Was die Wippidus am meisten liebten, war, einander warme, weiche Pelzchen zu schenken. Alle trugen einen Beutel über der Schulter, und der Beutel war gefüllt mit weichen Pelzchen. Es ist immer schön, einem anderen ein warmes weiches Pelzchen zu geben, denn es sagt „Du bist etwas Besonderes.“ und „Ich mag Dich.“

Und natürlich waren alle erfreut, so ein Pelzchen zu bekommen. Es ist warm und flauschig und Du fühlst dich anerkannt und geschätzt, wenn jemand Dir ein weiches Pelzchen gibt. Du  möchtest dann ebenfalls etwas Schönes tun.

Die kleinen Leute von Wippidu verschenkten gerne weiche Pelzchen und bekamen gerne welche, und ihr gemeinsames Leben war ohne Zweifel sehr glücklich und froh.

Außerhalb des Dorfes, in einer kalten dunklen Höhle, wohnte ein großer grüner Kobold. Er wollte eigentlich nicht alleine wohnen und manchmal war er einsam. Aber er schien mit niemandem auszukommen und irgendwie mochte er es auch nicht, warme weiche Pelzchen auszutauschen. Er hielt es für einen großen Unsinn.

Eines Abends ging der Kobold in das Dorf und traf ein kleines freundliches Wippidu. »War heute nicht ein schöner Wippidu-Tag?« sagte die kleine Person lächelnd. »Hier, nimm ein warmes weiches Pelzchen; dieses ist ein besonderes, ich habe es eigens für Dich aufbewahrt, weil ich Dich so selten sehe.«

Der Kobold schaute um sich, ob auch wirklich niemand sonst in der Nähe war. Dann legte er seinen Arm um das kleine Wippidu und flüsterte: „Hör mal, weißt Du denn nicht, dass, wenn du alle deine Pelzchen weggibst, sie Dir dann an einem Deiner schönen Wippidu-Tage ausgehen?“

Das kleine Wippidu bekam Zweifel und Angst, und während der Kobold in den Pelzchenbeutel hineinschaute, fügte er hinzu: „Tja, Du hast kaum mehr als 217 weiche Pelzchen übrig. Sei lieber vorsichtig mit dem Verschenken!“ Damit tappte der Kobold auf seinen großen grünen Füßen davon und ließ ein verwirrtes und unglückliches Wippidu zurück.

Der Kobold wusste natürlich, dass alle kleinen Wippidus einen unerschöpflichen Vorrat an Pelzchen hatten. Denn wenn ein Pelzchen verschenkt wird, wird es sofort durch ein anderes ersetzt, so dass die Pelzchen niemals ausgehen können.

Doch der Kobold verließ sich auf die gutgläubige Natur der kleinen Leute – und noch auf etwas anderes, das er bei sich selbst entdeckt hatte. Er wollte herausfinden, ob dieses „Etwas“ auch in den kleinen Wippidus steckt. Also belog der Kobold den kleinen Wippidu, kehrte zurück in seine Höhle und wartete.

Es dauerte nicht lange: Der erste, der vorbeikam und das kleine, ängstliche Wippidu begrüßte, war ein guter Freund von ihm, und sie hatten schon viele weiche Pelzchen ausgetauscht. Dieser stellte mit Überraschung fest, dass er nur einen abweisenden Blick erhielt, als er seinem Freund ein Pelzchen gab. Dann wurde ihm empfohlen, auf seinen abnehmenden Pelzchenvorrat Acht zu geben, und das ängstliche Wippidu verschwand ganz schnell.

Unter den Wippidus verbreitete sich fortan die Botschaft: „Es tut mir leid, aber ich habe kein warmes weiches Pelzchen für Dich. Ich muss aufpassen, dass sie mir nicht ausgehen!“ Alle fingen plötzlich an, ihre Pelzchen bei sich zu behalten. Es wurden zwar immer noch welche verschenkt, aber immer seltener – und wenn, dann nur sehr, sehr vorsichtig.

„Unterscheide!“ sagten sie, „Wähle weise!“

Die kleinen Wippidus begannen, einander misstrauisch zu beobachten, Sie verbargen ihre Pelz-Beutelchen während der Nacht unter ihren Betten oder versteckten sie. Es wurde gestritten darüber, wer die meisten Pelzchen hat, und schon bald begannen einige, weiche Pelzchen nur noch gegen andere Sachen einzutauschen, anstatt sie einfach zu verschenken.

Die Bürgermeisterin von Wippidu stellte schliesslich fest, dass die Zahl der Pelzchen begrenzt sei, rief die Pelzchen als Tauschmittel aus, und schon bald stritten sich die Wippidus darüber, wie viel ein Essen oder eine Übernachtung im Hause der anderen kosten sollte. Es gab sogar einige Fälle von Pelzchen-Raub. An manchen dämmrigen Abenden war es draußen nicht mehr sicher – dabei waren die Wippidus früher sehr gern abends in den Park oder auf den Straßen spazieren gegangen, um sich zu grüßen und sich warme weiche Pelzchen zu schenken.

Das Schlimmste aber war, dass sich die Gesundheit der kleinen Wippidus verschlechterte. Viele klagten über Schmerzen in Schultern und Rücken, und mit der Zeit befiel mehr und mehr  Wippidus eine Krankheit, die bekannt wurde als „Rückgraterweichung“. Sie liefen gebückt umher – in den schlimmsten Fällen sogar bis zum Boden gebeugt. Ihre Pelzbeutelchen schleiften auf dem Boden.

Viele Wippidus fingen an zu glauben, dass das Gewicht des Beutels die Ursache der Krankheit sei, und dass es besser wäre, sie zuhause einzuschließen. Binnen kurzem konnte man kaum noch ein Wippidu mit einem Pelzbeutelchen antreffen.

Zuerst war der Kobold mit dem Ergebnis seiner Lüge zufrieden. Er hatte herausfinden wollen, ob die kleinen Leute auch so fühlen und handeln würden, wie er, wenn er selbstsüchtige Gedanken pflegte. Und er fühlte sich erfolgreich, so wie die Dinge liefen. Wenn er nun in das Dorf kam, grüßte man ihn nicht länger mit einem Lächeln und bot ihm keine weichen Pelzchen an. Stattdessen starrten ihn die kleinen Leute misstrauisch an, so wie sie auch einander anstarrten. Und ihm war es auch lieber so.

Für ihn bedeutete dies, der Wirklichkeit ins Auge zu schauen: „So ist die Welt wirklich!„, pflegte er zu sagen.

Mit der Zeit ereigneten sich immer schlimmere Dinge. Vielleicht wegen der Rückgraterweichung, vielleicht aber auch, weil ihnen niemals mehr jemand ein Pelzchen gab, starben einige der kleinen Wippidus. Nun war alles Glück aus dem Dorf Wippidu verschwunden.

Als der Kobold davon hörte, sagte er zu sich selbst: „Ach, ich wollte ihnen nur zeigen, wie die Welt wirklich ist. Ich habe ihnen nicht den Tod gewünscht!“ Er überlegte, was man jetzt machen könne, und er dachte sich einen Plan aus.

Tief in seiner Höhle hatte der Kobold eine geheime Mine von kaltem stacheligem Gestein entdeckt. Er hatte viele Jahre damit verbracht, die stacheligen Steine aus dem Berg zu graben, denn er liebte deren kaltes und prickeliges Gefühl – und er blickte gerne auf den wachsenden Haufen kalter stacheliger Steine im Bewusstsein, dass sie alle ihm gehörten. Er entschloss sich, sie mit den Wippidus zu teilen. So füllte er Hunderte von Säcken mit den kalten stacheligen Steinen und nahm sie mit ins Dorf.

Als die Leute die Säcke mit den Steinen sahen, waren sie froh und nahmen sie dankbar an. Nun hatten sie wieder etwas, was sie sich schenken konnten. Das einzig Unangenehme war, dass es nicht so viel Spaß machte, kalte stachelige Steine zu verschenken wie warme weiche Pelzchen. Einen stacheligen Stein zu geben, war gleichsam eine Art, dem anderen die Hand zu reichen – aber nicht so sehr in Freundschaft und Liebe. Auch einen stacheligen Stein zu bekommen, war mit einem eigenartigen Gefühl verbunden. Man war nicht ganz sicher, was der Gebende meinte, denn schließlich waren die Steine kalt und stachelig. Es war nett, etwas von einem anderen zu erhalten, aber man blieb verwirrt und oft mit zerstochenen Fingern zurück. Wenn ein Wippidu ein weiches warmes Pelzchen bekam, sagte es gewöhnlich „Schön!“ wenn aber jemand einen kalten stacheligen Stein überreichte, gab es gewöhnlich nichts anderes als ein „Uh“.

Einige der kleinen Wippidus begannen also wieder, einander warme weiche Pelzchen zu geben. Und jedes Mal, wenn ein Pelzchen geschenkt wurde, machte es Schenkende und Beschenkte wirklich sehr glücklich.

Aber das Schenken von Pelzchen wurde nie mehr Mode in Wippidu. Nur wenige der kleinen Leute entdeckten, dass sie fortfahren konnten, einander warme weiche Pelzchen zu schenken, ohne dass ihnen ihre Vorräte ausgingen. Die Kunst, Pelzchen zu schenken, wurde nicht von allen gepflegt. Das Misstrauen war tief in die Leute von Wippidu eingedrungen.

Es war aus ihren Bemerkungen zu hören: „Weiche Pelzchen? Was steckt wohl dahinter? – Ich weiß nie, ob meine weichen warmen Pelzchen auch geschätzt werden!? – Ich habe ein weiches Pelzchen gegeben und bekam dafür eine stacheligen Stein. So dumm bin ich nie wieder. – Man weiß nie, wo man dran ist; jetzt ein weiches Pelzchen und im nächsten Augenblick einen stacheligen Stein. – Gibst du mir keinen stacheligen Stein, dann gebe ich dir auch keinen. – Ich möchte meinem Kind ein warmes weiches Pelzchen geben, aber verdient es das? – Manchmal frage ich mich, ob Großvater noch Pelzchen auf der Bank hat?“

Wahrscheinlich wäre alle Wippidus gern zurückgekehrt zu jenen Tagen, als das Schenken und Geschenktbekommen von warmen weichen Pelzchen noch üblich war. Manchmal dachten sie bei sich: „Wie schön wäre es doch, von jemandem ein warmes Pelzchen zu bekommen“, und in Gedanken gingen sie hinaus und begannen, sich wieder warme Pelzchen zu schenken, wie in alten Tagen. Aber für gewöhnlich hielten sie sich dann doch zurück, weil sie sahen, „wie die Welt wirklich war„.

Wir haben diese kleine Geschichte vor Jahrzehnten in Musical-Form mit einem etwas anderen Ende umgetextet – in unserer Version kehrten die Wippidus am Ende dazu zurück, sich wieder mit Pelzchen zu beschenken. Es regt an.

Alles Gute – und ein Pelzchen für Euch 🙂
Sandra, OMAS GEGEN RECHTS Nord & Bund
kontakt@omasgegenrechts-nord.de

 

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