<< zurück | Post ID # 12644 | 27.02.2024

OMAS schreiben: Was bedeutet Bergen-Belsen für mich?

Wir hatten in diesem Artikel einen Aufruf der Gedenkstätte Bergen-Belsen geteilt. Sie bitten darin um Beiträge aus der Gesellschaft für die Veranstaltung zum 79. Jahrestag der Befreiung. Wir bedanken uns herzlichst dafür, dass wir den sehr persönlichen Beitrag einer unserer OMAS GEGEN RECHTS hier veröffentlich dürfen. Wenn Ihr auch etwas geschrieben habt und teilen möchtet, schickt es uns gern (ob mit oder ohne Namensnennung könnt Ihr natürlich selbst entscheiden).

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Was bedeutet Bergen-Belsen für mich?

Für mich persönlich ist Bergen-Belsen nicht nur ein Ort auf der Landkarte, sondern ein Ort, der tiefe Emotionen und Erinnerungen in mir weckt. Als ich im Alter von zehn Jahren zum ersten Mal dorthin kam, begleitet von meinen Eltern, spürte ich sofort die besondere Atmosphäre, die das gesamte Gelände umhüllte – fast wie ein undurchdringlicher Nebel aus Trauer und Unverständnis.

Der Anblick der Massengräber ließ meinen Hals eng werden, und ich konnte nicht begreifen, welches Leid Menschen einander zufügen können. Doch erst im Dokumentationszentrum traf mich die Wucht der Geschichte wirklich. Das riesige Porträt von Anne Frank schien mich anzustarren, als wollte es sagen: “Sieh her, was  Menschen uns angetan haben… Tu etwas dagegen.”

Erst später, bei einem weiteren Besuch in Bergen-Belsen, erzählte mir mein Vater, warum es ihm so wichtig war, mich für die Zeit des Nationalsozialismus zu sensibilisieren. Mein Großvater war ein überzeugter Anhänger der Nazis und Mitglied der SA. Er wurde erst spät im Krieg gefangen genommen und musste nach Kriegsende in Bergen-Belsen arbeiten – unter anderem als Totengräber.

Mein Vater und meine Großmutter waren zu dieser Zeit zufällig in der Nähe untergebracht, nachdem sie in Bremen ausgebombt worden waren. Mein Vater erlebte das Kriegsende in Hermannsburg und begrüßte den Einzug der britischen Truppen als Befreiung. Doch schon damals begann der Streit in der Familie über die Vergangenheit und die Schuld meines Großvaters sowie die Einstellungen dazu auch von meiner Großmutter. Denn als mein Großvater aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, leugnete er, obwohl er Augenzeuge war !!!!!, dass Menschen in Bergen-Belsen umgekommen sind.

Dieser Konflikt blieb unausgesprochen, aber präsent. Meinem Vater war es stets wichtig, mir die Ereignisse näherzubringen und mein Bewusstsein dafür zu schärfen, dass so etwas nie wieder geschehen darf.

Auch wenn mein Vater nicht mehr lebt, setze ich mich auch im Namen seiner Überzeugungen weiterhin für eine Welt ohne Hass und Diskriminierung ein.

Als Mitglied der “OMAS GEGEN RECHTS” engagiere ich mich aktiv dafür, dass Menschen wie mein Großvater nie wieder die Möglichkeit erhalten, anderen Leid zuzufügen, sie zu erniedrigen oder gar zu töten.

Bergen-Belsen ist für mich daher nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch ein Ort der Hoffnung. Die Erinnerung an die Vergangenheit treibt mich an, mich für eine bessere Zukunft einzusetzen, in der sich die Gräueltaten der Vergangenheit nie wiederholen dürfen.

Dorte Stürmer-Brauer

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