<< zurück | Post ID # 11584 | 21.01.2024

Ralph Ruthe: Zurück in die Zukunft – oder: Demo, und dann?

Vielen Dank an Ralph Ruthe, den bekannten Comiczeichner, für folgenden Text. Er skizziert das, was auch uns “umtreibt”: auf der Straße sein ist gut. Wählen gehen, an Lösungen arbeiten und im Alltag NEIN sagen gegen Rechts ist besser. Was jetzt spontan auf den Straßen los ist, muss sich dauerhaft in ein anderes politisches Klima verwandeln. Daran mitzuwirken, das wird die Aufgabe der nächsten Zeit sein. Das sollten wir auf allen Demos, aber (und vor allem!) auch abseits davon immer wieder deutlich machen. Vor allem sollten wir nicht bei “Wut gegen Wut” bleiben, denn dann wären wir genau da, wo die Rechten uns haben wollen. Hier sein Text:

Ihr alle kennt Zurück in die Zukunft.
Im ersten Teil gibts diese Stelle, über die ich mich jedes mal aufrege. Und zwar kurz vor Schluss, wenn Marty im Jahr 1985 ankommt, in dem sein Vater diesmal erfolgreicher Buchautor geworden ist. Seine Eltern schauen ihn durchs Fenster stolz an und jedes mal möchte ich sie anbrüllen: “WOLLT IHR MICH VERARSCHEN? Das ist doch Marty – der Typ, der eben noch beim Schulball gesungen hat! Wie könnt ihr den nicht wieder erkennen?”.
So sehr ich den Film liebe (und seine vielen anderen Logik-Löcher akzeptiere), die Stelle hat mich immer genervt, weil ich sie so unglaubwürdig fand. Ich konnte nicht nachvollziehen, wieso Lorraine und George nicht sahen, wer da in ihrem Garten steht: Die Begegnung mit Marty auf dem Schulball war doch noch gar nicht so lange her?
War sie natürlich doch – zwischen den beiden Szenen liegen drei Jahrzehnte, in denen die Erinnerung verblasst. Dazu kommt der viel entscheidendere Punkt: Lorraine und George WOLLTEN nicht glauben, dass das vor 30 Jahren ihr eigener Sohn gewesen ist. Weil es keinen Sinn ergibt, weil es nicht sein kann. Weil es so absurd ist, dass man sich mit der Wahrscheinlichkeit nicht mal auseinander setzen möchte.

Ich denke, wir haben sehr viele Lorraines und Georges in unserem Land. Freundliche Menschen, die 10 Jahre lang einfach nicht glauben wollten, dass die AfD eine Nazi-Partei sind. Klar, die Ähnlichkeit war die ganze Zeit da, die antisemtische Haltung und der Rassismuss bei führenden Vertretern, die grundsätzliche Demokratiefeindlichkeit. Sie klangen 10 Jahre lang wie Nazis, sie benahmen sich wie Nazis … aber wir alle wissen ja, dass Nazis schlecht sind und deshalb konnte es ja unmöglich sein, dass rund 20% der Deutschen tatsächlich bereit sein sollen, waschechten Nazis ihre Stimme zu geben.
Doch.
Doch, doch.
Der Typ da im Garten ist wirklich Marty vom Schulball. Und die Leute in der AfD sind waschechte Faschisten, die keine Lösungen für unsere Probleme haben, sondern nichts bieten als die Zerstörung unserer Demokratie und Hass auf marginalisierte Gruppen. Ich habe mich die letzten Jahre oft gefragt, warum viele Menschen das nicht erkennen wollen (oder können) und hab dann oft an Lorraine und George gedacht. Sie konnten und wollten nicht glauben, was da vor ihren Augen passiert. Und fairerweise muss man sagen: sie mussten sich damit auch nicht auseinander setzen. In einem Land zu leben, in dem man vom Erscheinungsbild und von der sozialen Zugehörigkeit nicht zu einer Minderheit gehört, lässt einen viele Probleme und Gefahren nicht erkennen.

Wie bekommt man diese Leute wachgerüttelt, was muss man ihnen noch zeigen und erklären, damit sie endlich aufwachen? Und dann kam Correctiv mit seiner „Geheimplan gegen Deutschland“-Recherche und es ging ein Ruck durchs Land.
Hunderttausende Menschen sind seitdem auf den Straßen und stellen sich gegen eine rechtsextreme Partei, die mithilfe der Demokratie versucht, die Demokratie abzuschaffen.

Ich war gestern in Münster auf dem Domplatz dabei, zwischen 20.000 anderen Demonstrierenden. Das ist die wahre bisher schweigende Mehrheit! Die Zahl ist extrem beeindruckend, die Stimmung war unglaublich! Zu sehen, wie viele jetzt endlich die Gefahr erkennen und aktiv werden, macht mich sehr glücklich. Danke an alle, die auf die Straße gehen!

Der Zusammenhalt, der grade entsteht, ist sehr gut. Er zeigt den Politikerinnen und Politikern, dass der allergrößte Teil der Deutschen weiß, dass sich mit menschenverachtenden Parolen keine Krisen bewältigen lassen. Aber Demokratie ist nicht einfach so da, Demokratie zu erhalten ist anstrengend und bedeutet Arbeit. Wir brauchen sachliche Lösungen und soziale Gerechtigkeit, das müssen wir fordern.

Bei Wahltrend-Umfragen ändert sich aktuell so gut wie nichts an der Zustimmung für die AfD. Nach wie vor sind rund 20 % der Deutschen bereit, die rechtsextreme Partei zu wählen. Nicht aus „Trotz“, wie lange behauptet wurde. Diese 20% sind bereit, Faschisten zu wählen, WEIL sie Faschisten sind. Man muss diesen Leuten nicht die Augen öffnen. Sie erkennen, das Marty im Garten steht. Ich finde: dann braucht man mit ihnen auch nicht darüber diskutieren und ihren unmenschlichen Parolen darf man keinen Raum geben (z. B. zur besten Sendezeit im Fernsehen).

Was sind jetzt die nächsten Schritte? Wie kann man die Wut auf das, was Correctiv da aufgedeckt hat, in etwas Konstruktives umzuwandeln? Wie nutzten wir diese positive Energie?

(Veröffentlicht mit Erlaubnis von Ralph Ruthe)

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