<< zurück | Post ID # 38498 | 21.07.2026

Dithmarschen: Offener Brief “Demokratie leben!” darf nicht ausgebremst werden

Dieser Leserbrief war eine Reaktion auf einen Artikel in der DLZ vom 02.07.2026 mit der Überschrift “Stille Mitte statt linker Projekte”:

(Hier auch als PDF Download)

Offener Brief an Bundesfamilienministerin Karin Prien

„Demokratie leben!“ darf nicht ausgebremst werden

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Prien,

wir wenden uns als Dithmarschen ist bunt, Meldorf ist bunt, Büsum bleibt bunt, Marner Freunde (m/w/d) der Demokratie und OMAS GEGEN RECHTS Dithmarschen mit großer Sorge an Sie.

Es ist gut, dass „Demokratie leben!“ weitergeführt wird. Demokratiebildung, Extremismusprävention, Medienkompetenz und das Ziel, die sogenannte „stille Mitte“ zu erreichen, sind wichtig.

Aber wer Demokratiearbeit stärken will, darf nicht diejenigen schwächen, die sie seit Jahren tragen: Vereine, Initiativen, Beratungsstellen, Ehrenamtliche, Schulen, Jugendgruppen und lokale Bündnisse. Viele arbeiten seit langem mit wenig Geld, wenig Anerkennung, aber mit Haltung, Mut und Ausdauer. Sie waren da, als andere noch weggesehen haben.

Die Streichung der Vielfaltgestaltung ist deshalb ein gefährliches Signal. Vielfalt ist kein ideologisches Beiwerk, sondern gelebte Demokratie. Wer Menschen unterstützt, die von Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Ausgrenzung oder rechter Hetze betroffen sind, verteidigt das Grundgesetz.

Ihre Aussage, das Programm sei zu „linkslastig“, irritiert uns zutiefst. Was genau meinen Sie damit? Ist es linkslastig, gegen Rechtsextremismus aufzustehen? Jugendliche gegen Hass zu stärken? Betroffene zu unterstützen? Menschenwürde zu verteidigen?

Gerade weil Rechtsextremismus die größte Gefahr für unsere Demokratie ist, darf Engagement dagegen nicht unter Verdacht gestellt werden. Wer diese Arbeit abwertet, trifft die demokratische Zivilgesellschaft.

Auch die neuen Förderregeln sind lebensfern. Eine Wirkung über drei Bundesländer als Regelfall würde regionale Arbeit massiv schwächen. Demokratie wird auch in Schulen, Jugendzentren, Vereinen, auf Marktplätzen und in kleinen Städten verteidigt — in Heide, Meldorf, Büsum und Marne.

Ebenso falsch ist die Beschränkung auf ein Projekt pro Organisation. Aktive Initiativen leisten oft mehrere wichtige Aufgaben zugleich: Workshops, Schulprojekte, Beratung, Mahnwachen, Gedenkarbeit. Wer das begrenzt, bestraft Engagement.

Der bürokratische Aufwand ist schon jetzt enorm. Noch mehr Nachweise und Kontrollen bedeuten in der Praxis Stillstand. Heiko Klare bringt es auf den Punkt: „Draußen brennt der Baum, und wir schreiben Anträge.“

Wir fordern Sie auf: Erhalten Sie Vielfaltgestaltung. Beenden Sie die pauschale Abwertung als „linkslastig“. Stärken Sie regionale Projekte. Streichen Sie die Drei-Bundesländer-Hürde und die Ein-Projekt-Regel. Bauen Sie Bürokratie wirklich ab.

Wer die „stille Mitte“ erreichen will, muss die Aktiven vor Ort stärken. Demokratie lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen — oft seit Jahren und oft ohne Applaus.

Der Baum brennt. Jetzt ist nicht die Zeit, der Feuerwehr neue Formulare in die Hand zu drücken.

Mit entschiedenen Grüßen
Dithmarschen ist bunt
Meldorf ist bunt
Büsum bleibt bunt
Marner Freunde (m/w/d) der Demokratie
OMAS GEGEN RECHTS Dithmarschen

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